Full text : Vaterlandsliebe

Das Saarbrücker Gymnasfium nach 1815.
Alsbald nach der Umwandlung der Schule in ein Gymnasium bemühten
sich die Geistlichen und Lehrer, ihren deutschen Charakter wieder herzustellen.
Doch in wissenschaftlicher Beziehung konnte sie fürs erste im Vergleich mit
den andern preußischen Gymnasien nur als höchst unzureichend bezeichnet
werden. Die Lehrer waren sämtlich zugleich Geistliche und versahen außer
ihrem Schulamte noch Pfarrstellen. Der bereits erwähnte Direktor Simmer⸗
mann war zugleich Pfarrer der evangelischen Gemeinde Saarbrücken, ebenso
der Ronrektor Schwalb, der Subrektor Messerer und der vierte Lehrer
Mügel. Die Lösung dieser Verhältnisse und der allmähliche Entwicklungs⸗
gang des Gymnasiums ist aus der Ruppersberg'schen Jubiläumsschrift zu
ersehen. Wir können uns hier mit einigen Angaben begnügen. Im Jahre
1820 wurde die Schule auf eine sichere finanzielle Grundlage gestellt. Die
reformierte Kirche wurde zum Gymnasium umgebaut. Die wissenschaftliche
Bedeutung des Gymnasiums durch die Berufung tüchtiger Lehrkräfte gehoben.
Im Jahre 1822 traten der Oberlehrer Bahrdt vom Gymnasium in KHachen
und der bisherige Privatdozent an der Berliner Universität Dr. Immanuel
Germann FSichte, ein Sohn des Philosophen und Patrioten Johann Gottlieb
Fichte, in das Kollegium ein.
Im Jahre 1827 war die Schülerzahl des Gymnasiums jedoch auf 79
gefallen, der Fortbestand der Anstalt war daher bedroht. Es entstand die
Frage, ob es nicht zweckmäßiger sei, das Gymnasium in eine Anstalt umzu⸗
wandeln, die den Bedürfnissen des praktischen Lebens mehr RKechnung tragen
könne. Wir übergehen die langwierigen Verhandlungen zwischen den Städten
und dem Provinzialschulkollegium, das sich schließlich für den Fortbestand
der Anstalt entschied, indessen eine Angliederung von Realklassen zuließ, die
der industrielle Aufschwung der Saarbrücker Gegend gebieterisch verlangte.
Endlich entschloß man sich im Jahre 1850 zur Gründung einer Provinzial⸗
Gewerbeschule, aus welcher sich nach wiederholter Organisation und Re—
organisation die heutige Oberrealschule entwickelte.
Der schwankende Zustand, in dem das Gymnasium sich befand, und der
eine Zeitlang die Gemüter aufregte, nahm Mitte der dreißiger Jahre ein
Ende. Es hatte sich allmählich ein fester Stamm alter Lehrer gebildet.
Neben Direktor Ottemann, der ein tüchtiger Schulmann war, wirkten sehr
gute Lehrkräfte wie Schröter und Bernhard für alte Sprachen und Geschichte,
Schwalb für Deutsch, Goldenberg für Naturwissenschaft. Zu diesen kam
Ende der 50 er Jahre Ley und von Velsen, der sich durch große Gelehrsam⸗
keit, Geist und selbständiges scharfes Urteil auszeichnete. Gustav Pfarrius,
der sich als rheinischer Dichter bekannt gemacht hat, wirkte von 1825 bis
1834 am Gymnasium, wurde sodann an das Friedrich Wilhelms-Gymnasium
nach Köln versetzt, wo der Verfasser dieses Werkchens das Glück hatte, als
            
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