Full text : Vaterlandsliebe

Dieser erste Pariser Friede soll eine Intrigue des Fürsten Talleyrand
gewesen sein, der als Besitzer der größeren Salinen Dieuze und Chateau—
Salins die Saarbrücker Kohle zollfrei zu beziehen wünschte. Sodann war
das reiche Kohlenbecken überhaupt immer Frankreichs Gelüste. Noch
einmal kam die Tricolore und die dreifarbige Kokarde zu Ehren.
Die Erregung und Bestürzung war allgemein, und in ganz Deutschland
regte sich das Mitgefühl. Damals dichtete Friedrich Rückert das rührende
Lied: „Arm Saarvöglein“:
„An der Brück' an der Saar
Deutsche Waldvögelein,
Wenn ihr singt hell und klar
Im freien Sonnenschein,
Denkt, daß von eurer Schar
Eins trauern muß allein
An der Brück' an der Saar!“
Glücklicherweise blieb dieser schmähliche Vertrag nicht bestehen.
Napoleon brach den Frieden durch seine CLandung bei Cannes, aber bei
Waterloo, am 18. Juni 1815, entschied sich sein Geschick. Am 10. Juli
traf der preußische Staatskanzler Fürst Hardenberg auf der Reise nach
Paris in Saarbrücken ein, und eine Abordnung der Bürger sprach ihm
den Wunsch aus, mit Deutschland und zwar mit Preußen vereinigt zu
werden. Am folgenden Tage vereinigten sich 345 Bürger, um mit allen
Kräften die Wiedervereinigung mit Deutschland zu betreiben. Böcking und
Cauckhard wurden als Abgeordnete der Bürgerschaft nach Paris geschickt,
um den verbündeten Monarchen diesen Wunsch zu unterbreiten. Und ihre
Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt. Am 20. November wurde der
2. Pariser Friede abgeschlossen, durch den Saarbrücken und Saarlouis an
Preußen abgetreten wurden. Mit ungeheurem Jubel wurde Fürst Hardenberg,
der hauptförderer dieses Erfolges, am 26. November bei seiner Rückkehr
von Paris in Saarbrücken“*) begrüßt, und am 30. November erfolgte die
feierliche Besitznahme des Landes durch die preußischen Behörden.
„Unser äußeres Unglück hat ein Ende,“ sagte damals der Super—
intendent hildebrand in seiner Sieges-- Dank-, Friedens- und huldigungs⸗
predigt. „Aber wir trugen noch härteres Unglück durch die Geistestyrannei,
unter welcher wir seufzten. Wir waren Fremdlinge in unserm eigenen
Cande. Unsere herrliche deutsche kraftvolle Sprache, und mit ihr unser
treuer deutscher Sinn sollte vertilgt, und Übermut, Falschheit und Ver—
achtung unserer Brüder sollte an die Stelle deutscher Tugenden gesetzt
werden. Der Eingang deutscher Bücher war mit beinahe unüberwindlichen

Er wohnte damals in der „Post“ in Saarbrücken, wo der historische Verein
eine Gedenktafel anbringen ließ.
            
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