Full text : Vaterlandsliebe

Wer kann es dem Manne verargen, daß er mit rührender An—
hänglichkeit an seinem Kaiser hing? Ist doch unser großer Dichter Goethe
einer der größten Bewunderer Napoleons gewesen. Seine Bewunderung
kam beinahe einer Vergötterung gleich.

vereinigung von Saarbrücken und St. Johann mit Preußen.

Im Anfang des Jahres 1814 schien für Saarbrücken die Stunde der
Befreiung zu schlagen. Am 6. November 1813 war Napoleon zurück—
gekommen. In der Neujahrsnacht überschritt Blüchers Armee bei Kaub
den Rhein, rückte über den hunsrück, über die Nahe, von da nach Lauter—
ecken GBlüchers Hhauptquartier), dann nach Kusel, St. Wendel, und am
7. Januar trafen die Vortruppen in St. Johann ein. In dem Augenblick,
als Kosaken und preußische husaren gegen die alte Saarbrücke ansprengten,
über welche schon Karl V. nach Metz gezogen war, und auf welcher heute
die Reiterstatue von Kaiser Wilhelm J. steht, flogen zwei ihrer Bogen in
die CLuft, und die Franzosen hinderten durch heftiges Feuer den Uebergang
der Verbündeten. Erst am Abend des 9. Januar zogen sie sich zurück,
und am nächsten Tag zog Blücher in Saarbrücken ein.
Schon von Lauterecken aus hatte Blücher die Saarbrücker Behörden
aufgefordert, in ihren ümtern zu verbleiben. Die Verwaltung des De—
partements wurde dem Staatsrat Justus von Gruner übertragen. Das
Deutsche wurde wieder Amts- und Schriftsprache. heinrich Böcking, ein
echter, deutsch fühlender Mann, trat als Oberbürgermeister an des fran⸗
zösisch gesinnten Maires Bruch Stelle, der mit einer kleinen Minderzahl von
Bürgern des Kreises, durch Verwandschaft oder materielle Interessen bewogen,
eine französische Partei bildete; diese hatte Talleyrand eine Bittschrift
überreicht, um französisch zu bleiben. Mit Spannung verfolgte man daher
in Saarbrücken den Marsch der Verbündeten. Die Monarchen zogen am
31. März in Paris ein. Am 17. April feierte man auf Gruners An⸗
ordnung ein allgemeines Dank- und Siegesfest, um, wie es in dem Ein—
ladungsschreiben des Kreisdirektors haupt hieß, dem allmächtigsten Gott
den feierlichsten Dank darzubringen, daß er nach zwanzigjährigem namen⸗
losen Elend uns endlich dem Kummer entrissen, uns unserm alten deutschen
Daterlande wiedergegeben und durch Siege ohne Beispiel die gewisse
hoffnung geschenkt hat, nicht wieder von demselben getrennt
und an ein fremdes Volk gekettet zu werden.
Aber das Unerwartete und Unglaubliche geschah: Durch den Pariser
Frieden vom 30. Mai 1814 wurden die beiden Städte Saarbrücken und
St. Johann mit ihrer Umgebung Frankreich überlassen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.