Wie eine Erzählung aus dem romantischen Mittelalter klingt es, wenn
wir in der Chronik der Festschrift von einem Johann hofer, dem
5tammpvater der jetzigen Firma Gebr. hofer, lesen, der Kaiserlicher Reichs⸗
bürger in der freien Reichsstadt Nürnberg war und zu UAnfang des
18. Jahrhunderts eine Kunstdruckerei sein eigen nannte. Mit Recht be—
tonte der Kgl. CLandrat v. Miquel in seiner Jubiläumsrede, daß die
„Saarbrücker Zeitung“ die Geschichte unseres CLandes widerspiegle und
erkennen lasse, daß sie stets das Staatswohl als vornehmstes Siel im
Auge hatte.
Dieses Cob aus berufenem Munde ist ihr nicht abzusprechen. Sie
hat in der Franzosenzeit vor hundert Jahren, 1810, als Napoleon auf
dem Gipfel seiner Macht stand, trotz der Censur manches gebracht, das ein
grelles Schlaglicht auf die Geschichte der damaligen Zeit warf. Mit Bezug
auf die Stimmung des Volkes liest sich oft zwischen den Zeilen, daß die
Berichte der Pariser Polizeiverwaltung oder der Präfekten, die in be—
stimmten Zeiträumen nach Paris geschichkt wurden, einfach erlogen waren.
Im Jahre 1806 lobt ein Berichterstatter den guten Geist im Saar—
departement; die Begeisterung für Frankreich habe auch durch die zahl—⸗
reichen Requisitionen an Menschen, Wagen und Getreide, die der Beginn
des Krieges nötig gemacht habe, keine Abkühlung erfahren. Aus dem
Jahre 1807 hat herr Dr. d'Ester im Nationalarchiv einen Bericht entdeckt,
in dem es über das Saardepartement heißt: „Le Département rivalise
d'amour et de respect pour le grand monarque qui tient dans ses
mains les destins du monde“. (Das Departement wetteifert in Liebe und
Achtung für den großen Monarchen, der in seiner Hand die Geschicke der
Welt hält.) Eitel FSlunkerei! Wie es mit der gerühmten Liebe und
Achtung bestellt ist, geht nach einem im Nationalarchiv befindlichen Berichte
zur Genüge daraus hervor, daß man im Jahre 1809 sogar von einem
Aufstand melden muß, der zum Ausbruch kommt, als die ausgelosten
Soldaten in den Krieg ziehen sollen. Später schreibt man auch offen nach
Paris, der Charakter der Saarbrücker sei kalt und etwas apathisch.
Und dennoch, um jener Seit gerecht zu werden, müssen wir bei solchen
Ceuten, die für Napoleon schwärmten, bedenken, was für ein Kraftmensch
er doch gewesen sein muß, daß er für Jahrzehnte die politische und wirt⸗
schaftliche Lage Curopas bis ins kleinste Dorf hinein so beeinflußte, daß
Bauern, die auf deutscher Erde geboren waren, noch lange jeden Augenblick
bereit waren, unter seine Fahne zu treten, wenn er wieder kommen
würde, obwohl er sie verachtet, obwohl er sie von Schlachtfeld zu Schlachtfeld
geschleppt hatte.
Erckmann-Chatrian sagt in seinem bekannten Werkchen: Ein Rekrut
von Anno 13, im Anfang des 1. Kapitels: Wer nicht Augenzeuge von
Hapoleums Ruhm in den Jahren 1810 bis 1812 war, der vermag sich