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Als die Franzosen nun Miene machten, über die Grenze zu kommen,
verließ der Fürst die Stadt, um nie wieder zurück zu kehren. Wir waren
ein herrenloses Gut geworden und wurden von den Sranzosen in Besitz
genommen. — Ich kann den Zustand, der mit dieser Veränderung der Ver—⸗
hältnisse für uns Schüler eintrat, nicht beschreiben und ihn nur als eine
Art von Betäubung bezeichnen, wenigstens für mich, den sechzehnjährigen
Jüngling. Der Fürst hatte zwar Vieles getan, um haß und Verachtung
auf sich zu laden; allein das war es nicht, was mich in diesen Zustand
versetzte; es war der Widerwillen, den ich gegen die Franzosen gefaßt hatte.
Diese Abneigung hatten teils die Schilderungen des gallischen Charakters
bewirkt, die mir aus dem Julius Caesar noch frisch in der Seele lagen,
teils die Gewalttätigkeiten und Unmenschlichkeiten, womit sie gleich von
vornherein ihre Revolution beflechten. Auch trug die Abneigung, die mein
Vater gegen die Demokratie hatte, von der er ein abgesagter Feind war,
viel dazu bei. Vermehrt wurde dieser Widerwillen noch durch die beispiel⸗
lose Zudringlichkeit, womit die Franzosen ihre Freiheit und Gleichheit ver⸗
kündigten und sich gleichwohl zu herren über die Meinung anderer auf—⸗
warfen. Es war nicht genug, sie gastlich aufgenommen zu haben, sie
forderten auch von jedem ein politisches Glaubensbekenntnis, besonders
seitdem das Jakobinerregiment“) begonnen hatte.
An zwei Worten hing damals in der Tat Leben und Tod: an den
Worten: „patriote (oder républicain) und aristocrate:“ „Etes-vous (bald
es-tu) bon patriote?“ Dies war die Frage jedes erbärmlichen Wichts, die
man ohne Gefahr des Lebens oder körperlicher Mißhandlung nicht ver⸗
neinen konnte. An jedem hut mußte die dreifarbige Nationalkokarde
rot, blau und weiß prangen, „citoyen“ oder „citoyenne“ war die allge⸗
meine Anrede, und ein „Monsieur“ oder „Madame“ durfte nicht mehr
über die Lippen kommen.
Über Tisch wurde beim Glase Wein nie auf die Gesundheit angestoßen,
sondern auf die Republich „Vive la republique!“ war die stereotype
Redensart, und wenn wir frostig anstießen, wurde man aufgefordert: Eh
bien, dites: vive la république!“ und wir mußten es unserer eigenen
Sicherheit wegen mit Widerwillen nachsprechen: „Vive la république!“ —
In unserm Innern kochte der Zorn. Dieses ganze Tun und Treiben war
uns so lächerlich, so widerlich, daß es uns anekelte. Deshalb erfüllte uns
der begonnene Krieg österreichs und Preußens gegen Frankreich mit
*) Der stärkste und wütendste Klub (Verein), vom Schwindel eines wilden
Kevolutionsgeistes ergriffen, der alles Bestehende über den haufen zu werfen be—
absichtigte, war der Klub der Deputierten der Bretagne, der im aufgehobenen
Jakobinerkloster seine Sitzungen hatte und daher der Jakobinerklub genannt
wurde.