Es mag erklärlich sein, wenn in Saarbrücken vor 100 Jahren, ehe es
an Preußen fiel (1815), nach der langen Franzosenherrschaft, sowie später
in dem Vereinigungsprozeß mit Preußen, sich ein kleiner Teil französischer
Parteigänger infolge von Familien- und Privatverhältnissen heraus gebildet
hatte, die jedoch der alten Burg deutscher Gesittung und Gesinnung in der
Grenzmark nicht zu schaden vermochten. Derjenige, welcher die Geschichte
der Grafschaft Saarbrücken kennt, wird staunen, wie unsäglich dieses
Ländchen für sein Deutschtum gelitten und gekämpft von der dumpfen,
trüben Zeit her, da die Grafschaft wehrlos und vom großen vVaterland
verlassen einem gewaltigen Nachbar sich beugen mußte, bis zu jenen
Tagen der Freiheitskriege, wo das blitzende Schwert der Scharen Blüchers
uns dem alten deutschen Vaterlande wiedergab.
Mit andern Worten: es ist ein Wunder, daß Saarbrücken nicht der
Verwelschung anheimfiel, wie seine übrigen Stammesgenossen, die Lothringer.
Auf ein weiteres Eingehen in die Geschichte der Grafschaft, die von
Prof. Ruppersberg eingehend behandelt ist, müssen wir verzichten.
Fassen wir noch einmal das Gesamtbild des deutschen Reiches beim
Ausbruch der ersten französischen Revolution ins Auge. Dieses bestand
schließlich aus ungefähr 1800 so gut wie selbständigen Staaten und Herr⸗
schaften unter einem Kaisertum ohne wirkliche Kechte. Deutschland war, wie
Professor Th. Lindner sagt, politisch ein abgestandener Brei in zerbrochener
Schüssel, die das heer der französischen Revolution und Napoleon in
Scherben schlug.
Preußen gebührt das Verdienst, daß diese helle Schande ein Ende
nahm. Das sandige Brandenburg mit seinen sehnigen Männern gab den
ersten Grundstock, um den sich allmählich andere Teile zusammenfanden, die
der Große Kurfürst zu einem einheitlichen Staatswesen verband. Er und
seine Nachkommen schufen die brandenburgisch-preußische Königsmacht. So
kam ein neuer Staat empor, den Friedrich der Große durch seine heldentaten
zur Großmacht erhob. An seiner starken Persönlichkeit richtete das deutsche
Volk sich wieder auf. Der größte Philosoph und Dichter auf dem Königs—
throne, der, trotz seiner Vorliebe für die französische Sprache und Musik, in
der Faust ein deutsches Schwert führte, und dem in der Brust ein deutsches
herz schlug, begeisterte schon seiner Zeit manchen Barden zu patriotischem
Sange, und der auf Friedrich den Großen sich konzentrierende preußische
Patriotismus wurde bald das Bindeglied für die vaterländischen deutschen
Dichter.
Wir erinnern hier abgesehen von Klopstock nur an Gleim und Uz,
die damals bei aller Verherrlichung Friedrichs des Großen über Deutschlands
Zerrissenheit und Zwietracht klagten. Fast prophetisch klingen aber schon
damals Gleim's Worte in den preußischen Kriegsliedern: