Cothringens und ihr Verhältnis zur Grafschaft Saarbrücken zurückkommen.“)
Wir bemerken nur, daß nach einer Bestimmung Chlotars II. die Coth⸗
ringischen Gaugrafen geborene Lothringer sein mußten. Ein solcher war
der erste Graf von Saarbrücken. Dieses lag also ursprünglich in Ober—⸗
lothringen. Die Saarbrücker Mundart aber, in welcher das alte lothringische
a (Hus) und ie (kriesche) nun in die entsprechenden „au“ und „ei“ diphton⸗
giert hat, rechnet man jetzt zum Rheinfränkischen.
Nach der Einverleibung des herzogtums Lothringen mit Frankreich
war das Fürstentum Nassau-Saarbrücken gleichsam ein Pufferstaat zwischen
zwei mächtigen Staaten geworden. Der Not gehorchend, weniger dem
eigenen Triebe, gravitierte der Schwerpunkt der Saarbrücker Grafen nach
der Seite Frankreichs hin und drohte, wie es in dem übrigen Loth—
ringen eintrat, den deutschen Charakter des Grenzlandes zu gefährden.
Zum Glück heiratete Johannes J. Tochter Johanna im Jahre 1353 den
Grafen von Nassau, einen rein deutschen Fürsten, wodurch eine dauernde
Verbindung mit Deutschland durch 400 Jahre herbeigeführt wurde.
Trotz der echten kerndeutschen Gesinnung, die das Saarbrücker Land
sich bewahrt hatte, konnte es nicht verhindern, daß man bis zum HUus-—
bruch des Krieges 1870 vielfach noch eine falsche Vorstellung von seiner
Stadt und ihren Einwohnern hatte, vorzüglich darin, daß man der Stadt
französische Sympathie zuschrieb. Vielfach mochte es auch daher kommen,
daß man Saarbrücken mit Saarlouis verwechselte. Den Einwohnern von
Saarlouis, einer unter französischer Herrschaft (Cudwig XIV.) erbauten
etwa 4 Stunden unterhalb Saarbrückens an der Saar gelegenen FSestung,
konnte man eher so etwas nachsagen. Gibt es doch eine alte Gedenktafel
für den Saarlouiser, auf der eine ganze Reihe von Offizieren, Kapitänen,
Obersten und Generälen verzeichnet ist, die in der französischen Armee mit
Bravour gedient haben. Noch steht in Saarlouis das alte haus, das
die Inschrift trägt: „lci est né le maréchal Ney.“ Man erzählt auch,
wenn ein Saarlouiser nach Frankreich desertierte, so dürfte er nach eigener
Wahl in ein Linienregiment eintreten, während die übrigen Deutschen,
wollten sie unter französischen Fahnen fechten, keine andre Wahl haben,
als in der Fremdenlegion ihr Leben für die große Nation zu opfern.
Ich selbst (der Verfasser dieses Buches) mußte nach dem Kriege oft
in den Ferien auf die Frage, „woher ich sei“ die Außerung hören: „So!
aus Saarbrücken, wo die große Schlacht war, das liegt wohl ganz dahinten
in Lothringen“, worauf ich stets die Antwort gab: „Bitte sehr, Sgar⸗
brücken ist eine preußische Stadt und liegt eine halbe Stunde von der
ehemaligen französisch-lothringischen Grenze.“
») Vgl. den Artikel „Cothringen und die Grafschaft Saarbrücken“ in Ur. 84
der Saarbrücker Seitung 1910.