Full text : Vaterlandsliebe

ich noch oft, an den liebenswürdigen Quartiergeber, herrn Notar X..
und an den guten Kasinowein.
Endlich kam nun auch der festliche Einmarsch in Trier. Das ewige
Stehen und Gehen macht an solchen Festtagen den Soldaten ungemein müde.
In Ohlewig war mein Quartier so wie an der belgischen Grenze. Der
Feldwebel hatte mich gebeten, ihm zu helfen, die Nationale der zu ent⸗
lassenden Keservisten zu schreiben. Nun hocken wir da im Drillichanzug,
die Feldmütze im Nacken, und schmieren die Pässe voll. Da geht die Türe
auf, und herein stürmt meine liebe Mutter, die mich beim Einmarsch nicht
entdeckt hatte. Ade ihr Pässe mit CLehmann II und Müller III! Mutter
hat Geld, der Sohn hunger und Durst. — —
— — Drei Wochen noch, und das Jahr ist herum. Etwas Dienst,
etwas Unterricht, ein glänzendes Offiziersexamen, die Unteroffiziertressen
an dem gewendeten, aufgemunterten Rock, schwere Abende in den „Drei
Keichskronen“, Wiedersehen mit den marode und krank gewordenen Ein—
jährigen ..... und dann nach hause zum Vater, zu den Freunden und
Bekannten. O diese schönen Mauleselsferien, wie schön, wie schön — —!
Im Ganzen rückten 44 Einjährige ins Feld, 8 kehrten nach Trier zurück.“

Bemerken wollen wir noch, daß sämtliche in das Heer eingetretene
Bymnasiasten im Kriege unversehrt blieben und als wohlbestallte Unter⸗
offiziere aus Feindes Land zurückkehrten. Tiefbewegt durch die erschüttern⸗
den Ereignisse der vergangenen Monate eröffnete Direktor hollenberg am
11. Oktober den Unterricht wieder mit einer Ansprache, in der er die
Mitteilung machte, daß verschiedene frühere Schüler für das Vaterland den
heldentod gestorben seien. Die Namen dieser helden — dreizehn an der
Zahl — kündet jetzt eine Ehrentafel in der Aula des Gymnasiums den
spätern Geschlechtern zur bleibenden Erinnerung an die große Zeit, aus
der unser Vaterland neu geeint als mächtiges Kaiserreich hervorging. Die
Tafel trägt die Inschrift: „DDulce et decorum est pro patria mori!“

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