Full text : Vaterlandsliebe

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immer verduftet. In Abbeville lag ich ganze 6 Wochen bei einem ver—
mögenden Kaufmann, dessen wenig begabtem Jungen ich täglich Nachhilfe—
stunden gab. Die Leistungen des Knaben wurden täglich besser, mein
Quartier täglich feiner; aus der Dachkammer rückte ich in den ersten
Stock. Mit welchem KRespekt schaute mich der Vater an, der nur sein
Patois beherrschte und, durch seine Frau verdolmetscht, mit mir französisch
jprechen konnte, mit mir, der Französisch, Lateinisch und Griechisch konnte.
velbst mein schlechter A.-B.-Reuter-Tabak imponierte dem Mann. Nun
war es bereits Sommer geworden; wir lebten friedlich, wie in einer
heimischen Garnison, exerzierten, turnten, machten Felddienstübungen, standen
Wache, gingen mit und ohne Schatz spazieren, in die Konzerte. Abbeville
war immer Garnisonstadt gewesen; jetzt waren Prussiens, vorher Curassiers
darin, der Unterschied war vielleicht zu unsern Gunsten.
fin einem schönen Morgen hieß es: heim! Das war doch ein fröhliches
Wort, welches das herz freudig klopfen machte. So fahr denn wohl, du
hübsches Abbeville, du kleiner Schatz, mein guter Schüler, der sich totlachen
wollte, wenn ich ihn „hanneton“ nannte, jetzt aber weinend in der Ecke
stand, meine Madame, welche, wie gewöhnlich in Frankreich, die Seele des
Geschäftes war, während der Mann nur ein Gehilfe ist. Vor dem Städtchen
hielt schon das französische Regiment Curassiers, die Offiziere salutierten,
die Musik spielte: Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus, — wir
rufen den Reitern „au revoir“ zu, diese uns aber unter Lachen „à Dieu“.
So gehts denn schwer bepackt die heiße, staubige Landstraße hin nach
St. Quentin, Méziores, Sedan, Montmedy, Longuion, Thionville, Sierck,
Ssaarburg nach Trier. Der Marsch war äußerst beschwerlich, die hitze an
manchen Tagen unerträglich. An einem Tage hatten wir mehrere Tote
an hitzschlag. Warum muß denn auch immer so fest aufgeschlossen
marschiert werden? Es ginge doch ebenso gut, wenn rechts 2 und links 2
marschierten, während die ganze Straße mitten frei bliebe für Luft und
Entlüftung.
Die Gegend längs der belgischen Grenze ist jammervoll eintönig und
arm; es waren hier die schlechtesten Quartiere des ganzen Feldzuges. Ich
war fast beständig Fourier und hatte als solcher bald etwas Erleichterung,
bald etwas mehr Arbeit. In Sedan hatten wir Ruhetag und somit Gelegen⸗
heit, die denkwürdigen Plätze Bellevue, Donchery zu besichtigen. In Bellevue
begrüßte uns eine junge deutsche Dame, welche das ganze Drama als
Erzieherin mit angesehen hatte. In Perl wurden wir zum erstenmale vom
Cehrer auf der hohen Schultreppe als Sieger gefeiert. Da wir im Vorbei—⸗
marsch nur einige Worte aufschnappten, verulkten wir den braven Mann
und setzten seine Rede unter uns fort. An der Grenze wurde auch das
ganze kriegerische Zubehör der Kompagnie, überzählige Pferde, Wagen,
und sonstiges Zeug zu Spottpreisen versteigert. An Beurig-⸗-Saarburg denke
            
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