Full text : Vaterlandsliebe

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stadt, nach Amiens. Es war in Corbie ein husar auf Posten getötet
worden: die Stadt sollte eine große Summe zahlen, oder Geiseln stellen.
Gerade als wir auf den Markt kamen, brachten die husaren die in Omni—
bussen sitzenden Bürger hinaus. Der ganze Marktplatz war voll von
johlenden und schimpfenden Leuten, und wir Z3wölfe die einzig bewaffnete
Macht. Wir wünschten nun auch noch freie Beköstigung und Wagen nach
Cappie, wo unser Regiment stehen sollte. Wir luden unsere Flinten, stellten
uns an die Mauer und ließen uns beschimpfen. Als die Gefahr höher
stieg, brachte uns der stellvertretende Maire durch die Menge nach
einer Wirtschaft. Wir wurden dort beköstigt, erhielten auch einen hohen
Karren mit niederem Plantuch und Stroh darin. Wir stiegen jedoch erst
in den Wagen hinein, als die Steinwürfe der Kanaille, die uns noch 4 Kilo⸗
meter weit verfolgten, seltener wurden.
Um so vergnügter war der Empfang im Quartier, in Cappie an der
hochgehenden Somme. Unsere Korporalschaft lag in einer großen Ferme
am Wasser, welche von uns zur Verteidigung hergerichtet war. Es war
Waffenstillstand, Cappie in der Demarkationslinie. Der Bauer, bei dem
wir im Quartier lagen, behauptete, keinen Tropfen Wein, keine Kartoffeln,
kein Eßgerät, nichts zu haben: „Rien du tout, du tout, du tout.“ Einer
unserer Leute bemerkte aber, daß das Fenster eines Nebenhauses frisch
mit Brettern zugenagelt war; das mußte doch einen Sweck haben. In der
Dämmerung wurde nun auf einer Leiter hinaufgestiegen, der Verschlag
entfernt, das Keisig oben heruntergeworfen, und nun mit dem Seitengewehr
sondiert. Da gab es einen guten Klang: O Bauer, was war dein Bordeaurx
so gut! hunderte von Slaschen lagen da oben. Es erfolgte eine allgemeine
Bekneiptheit, großer Singsang und Werfen mit leeren Flaschen. Da merkte
der Bauer, daß wir sein Versteck gefunden hatten, und lief heftig gestikulierend
zum hauptmann. Dieser schickte Herrn Leutnant d. R. Perino von St. Goar
zur Besichtigung; letzterer stieg selbst die Leiter hinauf, besah das lachende
Cager und ließ es bis auf die letzte Flasche nach unten bringen. Wir
füllten zwischenhinein die nebenstehende große Hundehütte mit Flaschen und
setzten die übrigen in Reih und Glied. Nun erfolgte die Abzählung und
die Standpauke an den Bauer: „Sie haben den Leuten selbst gegen ange—
botene Bezahlung keinen Wein gegeben. Das war großes Unrecht! Zur
Strafe requiriere ich den ganzen Rest hier für das Offizierskorps. 12 Flaschen
sind für Cuch, Kerls.“ Mit denen in der hundehütte, welche er nicht ge—
sehen hatte, waren es deren 50. Keiner von uns hat die Nacht ein Auge
zugetan vor Singen, Jubilieren und Toben. Und die Offiziere? Es soll
gegen Mitternacht der Stabsarzt ohne Mütze hinterrücks auf dem Pferde,
durch das Dorf gesprengt sein.
Später zeigte der Bauer uns auch sein Kartoffellager, als wir ihm
drohten, seine Lachtaube zu verzehren, endlich auch Löffel, Gabeln und
            
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