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andern Morgen den Mern in die hände, nachdem der französische
kKommandant gefallen war. Somit war auch die Stadt in unsern händen.
Unsers Bleibens war jedoch nicht. Wir mußten jetzt die große Schwenkung
nach der Seine machen, da uns von dort her der Feind in den Rücken
zu fallen drohte. So schoben wir denn nach Beauvais, Gournay, Rouen,
Metot, Bolbec, bis in die nNähe von le havre und über Neufchätel wieder
zurück nach Amiens, ohne eine Spur vom Feinde gesehen zu haben. In
den großen Städten waren gute Quartiere, besonders in dem reizenden
städtchen Yvetot und Bolbec. In Bolbec lagen wir in einem feinen
hause, in welchem selbst ein gutes Klavier stand. Als wir abends einige
cieder mit Klavierbegleitung sangen, kam plötzlich die alte Dame des
hauses herein und hörte einige Stücke mit an, wobei sie bedauerte, ihre
Tochter über die Seine geschickt zu haben. Sie sähe jetzt ein, daß wir
gebildete Menschen seien. Bei ihrer Tochter bleibe das Vorurteil von den
wilden Deutschen vielleicht ewig sitzen. In den Bauerndörfern war es
die ewige Leier, viel Soldaten, wenig zu essen, kein Bett. Im Pans de
Taux an der unteren Seine liegen die Dörfchen sämtlich in einem Walde
bon Obstbäumen, von hohen Erdwällen umgeben, mit winzigen Fensterchen
an den häusern. hier lag glatter Schnee. Unsere Kavallerie mußte in
dem bergigen Terrain die Pferde am Zügel führen, was uns Sandhasen
mit unsäglicher Genugtuung erfüllte.
Spät abends kamen wir gewöhnlich ins Quartier und suchten mit
Caternen unsere Cogis. Früh morgens rückten wir mit Laternenschein
wieder aus. Ich hatte mein Messer verloren und, als mir das erste beste
in die Finger kam, steckte ich es ein. Die Quartierfrau verfolgte mich
deshalb bis in die Kompagnie, wo es ihr nun nicht gelang, den Schuldigen
herauszufinden. Unter Gekreisch und Gejohle zog sie wieder ab. Das
stehlen war überhaupt so eine Sache. Bei dem ewigen Marschieren wurde
einem alles zu schwer, so daß man jeden Gegenstand wegwarf, welcher
nicht unumgänglich notwendig war. Von Zeit zu Seit fanden Tornister⸗
revisionen mitten während des Marsches statt. Wehe dem armen TCeufel,
welcher einen Löfsel mitgenommen hatte, der zufällig von Silber war.
1Wochen lang wurde er 1 Stunde lang an den Kompagniewagen gebunden
und mußte den Strick noch dazu nachtragen. Einer von unsrer Kompagnie
wurde aber, so oft es ging, vom Posten abgebunden und ins Wachtlokal
zesetzt. Eine neue Bürste, welche ich mitführte und in Koblenz gekauft hatte,
erregte schweren Verdacht. Auch gelang es mir, hier und da ein Stück
Fleisch zu kaufen; der Duft beim Abkochen erregte auch jedesmal Beschlag⸗
nahmegelüste. Eine Dieberei ließen sie mir jedoch ohne Tadel hingehen.
Beinahe in jedem hause fand man Gläser mit Eingemachtem. Jedesmal
verschwand ein Glas in meinem Brotbeutel, welcher davon die deutlichsten
spuren aufwies. An jedem Rendezvous kamen dann die Leckermäuler