—
Kuhe hatten, so hatte unser Quartiergeber die Freundlichkeit, mir die vielen
Sehenswürdigkeiten von Keims zu zeigen. Das erste Siel unsers Ganges
war der Dom. Dieser ist eine der schönsten Zierden Frankreichs, reich ge⸗
gliedert und herrlich geschmückt, doch nicht so einheitlich durchgeführt wie
der von Amiens. Dann lenkten wir unsere Schritte in das anstoßende
Palais des Erzbischofs, das mit sehr schönen Elgemälden geschmückt war.
Auch das herrlich gelegene neue Theater ward meines Besuches gewürdigt.
Darauf führte unser Quartiergeber mich in dem neuen Stadtteil herum
mit seinen prächtigen Läden und Bazars, auf den Platz der Jungfrau von
Orleans mit der kolossalen Statue. Die alte Stadt sieht schwarz und
schmutzig aus, die Straßen sind eng, und das Pflaster ist schlecht. Nach—
mittags war Appell mit Schuhzeug; ich bekam trotz meiner aus Rand und
Band gegangenen Schuhe die Weisung, mir Schuhe zu kaufen, wenn ich
welche haben wollte; die Kompagnie brauche einem Einjährigen-Musketier
auch im Felde keine Schuhe zu stellen. Ich hatte jedoch nicht so viel Geld
und auch nicht den Willen, mir Schuhe zu kaufen, geriet aber dadurch
später in die größte Verlegenheit. Nach einem kräftigen Souper mit
diversen Flaschen Wein verfügten wir uns wieder in das haus unserer
Alten und schliefen auf Matratzen ganz herrlich.
Am 17. ging es wieder auf den Trab. Wir kamen am 18. nach
Magneux, nach Chacrise am 19., durch das hart mitgenommene Soissons
nach Arsonne in Alarmquartiere. Die ganze Kompagnie lag in zwei Schaf⸗
ställen, wo alle Gemütlichkeit aufhörte. Dazu waren wir schon zwei Tage
marschiert, die Füße wund, der Magen leer. Es war der Namenstag
meiner Mutter, und ich überlasse jedem, seine Reflexionen darüber an—
zustellen. Am folgenden Tage wird wieder auf der gepflasterten Straße
marschiert, dann ging es durch den berühmten Park von Compiegne nach
Tompiegne selbst. Gegen 2 Uhr waren wir dort schon angekommen,
standen aber noch um 6 Uhr auf dem Platze, ohne einquartiert zu sein.
Die Stadt ist hübsch an einem kleinen Flusse gelegen, ich glaube, es war
die Oise, das Schloß war zum Lazarett eingerichtet, und die Grenadiere
haben manches Prachtstüch aus dem Wildpark erlegt und das Amt
Napoleons recht gut versehen. Ich kam zu einem Badbesitzer ins Quartier,
der zwar nicht viel herausrückte, aber doch gute Betten hatte. Dort bekam
ich auch wieder die erste Zigarre. Am 21. kamen wir an eine Unglücks⸗
stätte, wo sich das Feldherrntalent unsers hauptmanns glänzend zeigte.
Wir wurden nämlich in der Nähe von Monpillers in zwei Scheunen eines
Schlosses gelegt und hatten die Alarmwache. Die Offiziere lagen natürlich
im Schlosse. Zu essen hatten wir nichts, geliefert wurde noch weniger.
Da wurden die Kühe gemolken, aber, o himmel, jetzt kam der hauptmann
herangerast und schimpfte die Diebesbande tüchtig aus. Als nun erst eine
Ente geschlachtet wurde, da war es nicht mehr auszuhalten mit ihm und