J. Nicht ung und Länge.
A. Von der preußischen Gränze bis
Kaiserslautern.
Durch h. 2 der Gesellschaftsstatuten (und mit Beziehung
auf dieselben durch Beschluß des Verwaltungsrathes) ist
die Richtung der Bahn im Allgemeinen in der Weise
bestimmt, daß dieselbe von der Rheinschanze an Speyer
vorbei über Neustadt, Kaserslautern und möglichst nahe
bei Homburg vorüber gegen Bexbach geführt und dort an
die preußische Bahn von Bexbach nach Saarbrücken an⸗
geschlossen werde. Ferner soll nach einem Beschluß des
Verwaltungsrathes vom 12. Juni v. J. specielle Rücksicht
genommen werden auf die Vortheile, welche ein in Vor⸗
schlag gebrachter Knotenpunct bei Schifferstadt zur Ver⸗
bindung der Rheinschanze mit Speyer und Neustadt dar⸗
bietet. — Eine Wahl war daher nur hinsichtlich des
Zuges zwischen den Hauptorten gestattet.
Obigen Bestimmungen getreu wurden denn auch die
Operationen auf dem Terrain vorgenommen und der Ent⸗
wurf mit Kostenvoranschlag ausgearbeitet. Nichts desto
weniger dürfte es Pflicht der Techniker sein, zur genauen
Erkennung und Würdigung des Sachvoerhältnisses auf die
Vortheile einer kürzeren Linie, sowohl zwischen Bexbach
und Kaiserslautern ohne unmittelbare Berührung von
Homburg, als zwischen Neustadt und Rheinschanze auf—⸗
merksam zu machen, nachdem die vollständige Ausarbei⸗
tung des autorisirten Zuges hiezu eine sichere Grundlage
abgegeben hat. Es soll daher, so oft es für nothwendig
erachtet wird, des kürzeren Zuges Erwähnung geschehen
und eine summarische Kosten- und Ertragsberechnung
folgen.
Die Bahnlinie ist auf dem Terrain an den Ueber—⸗
gangspunkten der Straßen und Wege durch Steine fixirt,
welche zugleich in die Nivellements aufgenommen sind,
um bei der Ausführung die Auffindung der Richtung und
die Bestimmung der Höhen zu erleichtern.
Nachdem die Vorarbeiten zur Bahn zwischen Bexbach
und Saarbrücken noch nicht so weit gediehen sind, daß
von Seiten des provisorischen Comites über die Höhen⸗
lage und Richtung zunächst der preußischen Gränze Auf—
schluß gegeben werden konnte, hat man, jedoch mit Rück⸗
sicht auf die Ortsverhältnisse, an demjenigen Puncte zu⸗
nächst Wellesweiler angebunden, welcher bei Aufstellung
des Projectes für die ganze Linie von Saarbrücken bis
Rheinschanze durch den koͤnigl. preuß. Vauconducteur
Pickel im Jahre 1836 als ungefährer Uebergangspunct
bezeichnet worden war.
Die Bahn passirt das Thälchen von Mittelbexbach zu⸗
nächst oberhalb der Mühle, schneidet den Rücken zwischen
Bex⸗ und Mittelbexbach beim Weber'schen Kohlenmaga⸗
zine, wendet sich mit kleinem Bruche gegen Homburg,
kreuzet die Glanstraße etwa 750 von Homburg entfernt,
und zieht in langen geraden Zügen, der Gränze zwischen
dem Torfgebrüche und den sanften Abdachungen der süd⸗
lichen Hügelkette folgend, bald näher, bald entfernter ne⸗
ben der Kaisersstraße hin, an den Orten Vogelbach,
Bruchmühlbach, Hauptstuhl, Landstuhl und Kindsbach vorü⸗
ber bis zur Stundensäule Nro. J zunächst Kaiserslautern.
Das eigentliche Torfgebrüche wird nur an einigen einsprin⸗
genden Winkeln auf ganz kurze Strecken berührt.
Zur Ermäßigung der Neigungen auf der Strecke von
Bexbach bis Homburg werden die Hügelrücken zwischen
der Bexbach und Mutterbach, so wie zwischen letzterer und
der Erbach vermittelst offener Einschnitte von 16,790
und 17,*33 größter Tiefe und die Thäler mittelst Damm⸗
schuͤttungen von 11,“235 und 10,*41 groͤßter Hohe passirt.
Wiederholte Untersuchungen des Bliesthales, um den
Fluß entlang über Altstadt nach Homburg zu gelangen,
uͤberhaupt eine vollständige Recognoscirung des Terrains,
bestimmte uns, bei der vorangestellten Bedingung, den
Bahnzug der Stadt Homburg möͤglichst zu nähern, zur
Wahl der beschriebenen Linie. Eine sumpfige, den Ueber⸗
schwemmungen der Blies ausgesetzte Thalsohle, steile mit
aus⸗ und einspringenden Winkeln beständig wechselnde
Abhänge, ein Umweg von 1000 Meter ließen trotz der
aufwandsvollen Erdarbeiten in der gewählten Richtung
keine oͤcomischen Vortheile bei der ersten Anlage noch we⸗
niger beim Betrieb erwarten.
Dagegen gestattet der Zug vom Weber'schen Kohlen—⸗
hofe über Kleinottweiler und dicht an dem Orte Erbach
oorüber nach Koͤnigsbruchhof eine Abkürzung von 1370
Metern und eine nicht unbedeutende Ersparung an den
Anlagekosten und den jährlichen Ausgaben für Unterhal⸗