Full text : Bericht über die technischen und commerciellen Verhältnisse der Anlage einer Eisenbahn von Bexbach nach der Rheinschanze (Saarbrücken und Mannheim)

Bericht der Ingenieure.

Der Verwaltungsrath der Rheinschanz⸗Bexbacher Eisenbahn⸗
Gesellschaft, von der Ansicht ausgehend, daß, wenn das
Unternehmen durch Actien zu Stande gebracht werden
soll, vor Allem auf eine unbezweifelte Weise seine Renta⸗
bilität nachgewiesen sein muß, und daß zu diesem Behufe
eine sorgfältige und verlässige Ermittelung des Baucapitals,
zestützt auf genaue Localaufnahmen, unerläßlich ist, hat
in seiner Sitzung vom 4. Mai und 12. Juni vorigen
Jahrs beschlossen, die Vorarbeiten für die genannte Bahn
zründlich und vollständig herstellen zu lassen. — Unterm
— DDD
mit der Vornahme der Operationen beauftragt.
Indem wir uns der gestellten Aufgabe ganz hingaben,
haben wir dieselbe mit derjenigen Sorgfalt zu lösen ge⸗
sucht, welche ihre Wichtigkeit erheischte.
Mit den Local- und sonstigen auf Bauten dieser Art
bezüglichen Verhältnissen der Pfalz bereits vertraut, gelang
es uns, in dem Zeitraume von nicht einem Jahre ein
Bauproject vollständig auszuarbeiten, dessen Länge mit den
Seitenbahnen nahe an 36 Wegestunden beträgt, und das,
nicht nur diesem Umfange, sondern auch der Localschwie—
rigkeiten nach zu den wichtigsten gehört, welche bis jetzt
auf dem Continente vorkamen.
Diese Schwierigkeiten sind jedoch nicht unüberwindlich;
die vorliegenden Pläne und Berechnungen liefern den
Beweis, daß selbst das in dieser Beziehung so sehr reno⸗
mirte Neustadter Thal für die Erbauung einer Eisenbahn
mit Dampfkraft günstig ist und — wenn auch nicht mit
der groͤßten — doch mit einer Geschwindigkeit befahren
werden kann, die jeder billigen Anforderung entspricht.
Die Ergebnisse, welche die Untersuchungen über das Neu⸗

stadter Thal liefern, sind durchaus nicht so ungünstig als
man geglaubt; sie werden schon bei dem gegenwärtigen
Verkehr durch die Vortheile mehr als compensirt, welche
die übrigen Strecken der Bahn bieten.
Indem wir die Resultate unserer Messungen und Be⸗
rechnungen hiemit vorlegen, glauben wir noch den Gang
kurz anzeigen zu müssen, welchen wir bei der nun fol—⸗
genden Darstellung gewählt haben.
Wir werden nemlich zuerst die Kosten für den Bau
und dann die für den Betrie bermitteln; zu dem Ende
daher die Verhältnisse der Bahn in Bezug auf Richtung,
Neigungund Construction auseinandersetzen, und den
Zeitraum angeben, in welchem sie erbaut werden kann.
Dann werden wir die jährlichen Ausgaben mit
Anführung aller Details für den Betrieb festsetzen, um
hieraus die Foͤrderungskosten und den reinen Er—⸗
rag abzuleiten. Durch Hinzufügung einer Berechnung
hinsichtlich des letzteren für die wahrscheinlichen und
moͤglichen JZunahmen des Verkehrs wird man in den
ZStand gesetzt, den Ertrag für jede Vermehrung schnell
zu überschlagen.
Eine gesonderte Behandlung der ganzen Bahn nach
drei Hauptsectionen, nämlich von der koͤnigl. preußi⸗
schen Gränze bis Kaiserslautern, von da über die Wasser⸗
cheide bis Neustadt, und von Neustadt bis an den Rhein
trägt vorzüglich dazu bei, die Vortheile der einzelnen
Theile der Bahn für den Fall hervorzuheben, wenn, wie
es möglich wäre, dieselbe vorläufig nur theilweise
hergestellt würde und der Bau des allerdings etwas kost⸗
pieligen Neustadter Thales vorderhand noch unterbleiben
müßte.
            
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