Full text : Bericht über die technischen und commerciellen Verhältnisse der Anlage einer Eisenbahn von Bexbach nach der Rheinschanze (Saarbrücken und Mannheim)

Neigung gleich Is ist, oder daß eine Ausbeugung von
inem Centimeter einen Krummungshalbmesser von 40,50
Meter hat, und mithin aller Sorgfalt in der Wahl der
Richtung und der Bestimmung der Neigung ungeachtet,
die Anlage ihrem Zwecke nicht entsprechen würde, so ist
deren Wichtigkeit gewiß unläugenbar. Der unermüdlichste
Fleiß, die unausgefetzteste Aufmerksamkeit bei der Aus—
ührung vermögen übrigens nie diesen Uebelstand ganz zu
beseitigen; es ist daher eine ununterbrochene Unterhaltung
der Bahn in ihrem normalen Zustande von einer solchen
Anlage unzertrennlich und zwar um so mehr, as hiervon
nicht allein, wie oben berührt, der Nutzeffect der Bahn,
ondern auch die Sicherheit des Verkehrs abhängt. — Soll
aber der Aufwand für Unterhaltung die Erträgnisse nicht
uüͤber die Maaßen schmälern, oder gar aufzehren, so ist es
durchaus nothwendig, die erste Anlage so einzurichten,
daß die Unterhaltungskosten sich so gering als möglich oder we⸗
nigstens in ein richtiges Verhältniß mit dem Ertrage stellen.
Die Einrichtung der Bahn nach der Groöße der För⸗
derungsmasse zu regeln, ist eine weitere Aufgabe und in
dem besondern Falle um so wichtiger, wo Zweifel über
die Ertragsfähigkeit obwalten. Es handelt sich nämlich
darum, das richtige Maß der Ausweichstellen so zu tref—⸗
sen, daß weder die Anlagekosten unndthigerweise erhöht
verden, noch aber die Bequemlichkeit und Sicherheit des
Verkehrs leidet.
Zur leichtern Uebersicht werden wir in der Ordnung,
welche bei den Kostenanschlägen beobachtet ist, eine kurze
llebersicht und Beschreibung der hauptsächlichsten Einrich—
tungen und Constructionen geben, und uns im übrigen
beschränken, auf die in dem beigefügten Preisverzeichnisse
und dem Bedingnißheft weiter enthaltenen Bestimmungen
hinzuweisen, bemerken jedoch noch, daß wir eine Con⸗
structionsweise gewählt haben, deren Zweckmäßigkeit, be⸗
reits durch die Erfahrung erprobt ist. Wir sind dabei
bon der Ansicht ausgegangen, daß es klüger sein dürfte,
ein System vorzuschlagen, dessen Erfolg wir im voraus
nach empfehlenswerthen Beispielen zu beurtheilen im
Stande sind, als aus der Fluth von Verbesserungsvor⸗
schlägen nach Gutdünken eines hervorzuheben, dessen Werth
nicht durch die Praxis sanctionirt ist.
a. Querprofil der Bahn.
Gemäß 8. XVI der für das Königreich Baiern be—
stehenden Fundamentalstatuten und 8. 10 der Gesell⸗
schaftsstatuten ist die Spurweite zu 1,50 Mtr. angenom⸗
men. Die beiderseitigen Banquette erhalten die übliche
mittlere Breite von 1,20 Mtr., mit Ausnahme derjenigen

Stellen, wo die Bahn in Felsen einschneidet, und wo
man die Breite von 1 Mtr. für zureichend gehalten hat.
— Die Kronbreite der einfachen Bahn wird demnach bei
Einschnitten in Felsen 3,50 Mtir., in allen übrigen Fäl—⸗
len 4 Mtr.; und der Doppelstrecken mit Hinzurechnung
eines Zwischenraums von 1,75 Mtr. in Felsen 6,75 Mtr.,
in den andern Fällen 7,25 Mtr.
Die Böschungen der Dämme erhalten durchaus eine
Ausladung welche gleich ein und ein halb der Höhe ist:
der Abträge für alle Erdarbeiten 14, für Felsen F. —
Im Abtrag geschieht die Entwässerung der Bahn durch
Seitengräben, welche in Felsen eine Tiefe von 0,50 Mtr.,
eine Sohlenbreite von 0,25 Mtr., nach Innen einmalige
nach Außen halbmalige Böschung; in Erde 0,70 Mtr.
Tiefe, 0O,28 Mtr. Sohlenbreite, nach Innen anderthalb⸗
malige, nach Außen ein und einviertelmalige Böschung
haben.
In tiefern Einschnitten und an Bergabhängen, wo
Wasserzufluß von der Seite zu befürchten steht, werden
die Böschungen entweder mit Gegengräben unterbrochen,
oder Futtermauern angelegt, hinter deren Brüstung eine
zepflasterte Renne die Seitenfluthen aufnimmt und für
die Bahn unschädlich macht. Wo die Erde den Felsen
berührt, werden je nach dem Bedürfniß bei den Einschnit⸗
ten Banquette von 0,60 Mtr. Breite hergestellt.
b. Tunnel.
An den Stellen, wo die Kosten einer offenen Eingra⸗
bung den Aufwand eines unterirdischen Durchganges über⸗
steigen, wird die Anlage der letztern vorgeschlagen. —
Sie sollen vorderhand für eine Spur eingerichtet werden,
erhalten am Fuß eine Breite von 3 Mtr., im Scheitel
eine Höhe von 5 Mtr., die Gewoͤlblinie ist mit einem
Radius von 2,15 Mtr. beschrieben; daher größte Breite
4,30 Mtr. Anlauf der Wände 4 der Hoͤhe. Die Ein⸗
zänge werden mit einer schützenden Ausmauerung ver⸗
sehen, welche bei gehoͤriger Solidität möglichst einfach ge⸗
halten ist.
Die Gebirgsformation mit allen äußern Erscheinun⸗
gen berechtigt zu der Voraussetzung, daß die Tunnel in
dem dichten Sandstein ohne Ausmauerung ausführbar
sein werden; zur Sicherheit der Rechnung hat man des⸗
sen ungeachtet die Vorsicht gebraucht, Iß der Länge als
einer Untermauerung bedürftig zu betrachten.
Die Kürze der Tunnels im Neustadter Thale macht
die Anlegung von Ventilatiens⸗ und Forderungsschächten
entbehrlich; die unterirdische Strecke im Wasserscheider bei
Hochspeyer soll dagegen vermittelst zweier Foͤrderungs⸗
            
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