Full text: Band 2 (2)

Memoiren der Gräfin Luise vou Ottweiler. 
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Saarbrücker Linie dies Fürstentum, und der jetzige Herzog, 
dessen Ministerium so schamlos die Ottweiler'sche Familie des ihr 
zukommenden reichen Unterhalts beraubt, wäre als Fürst von 
Weilburg der jüngste und unbegütertste der Nassauer Fürsten. 
Gern möchte ich zum Schlusse eilen, denn nichts Gutes habe 
ich mehr zu berichten, doch muß ich noch manches berühren. 
Durch den Tod des Fürsten Heinrich waren seine beiden Tanten, 
die früher erwähnten Schwestern meines Vaters, die Allodial— 
Erbinnen des Saarbrück'schen Stammes geworden. — Vom 
nassauischen Ministerium schnöde behandelt, (in solch einem Falle 
stipulirte der Nassauische Erbverein jeder den männlichen Stamm 
überlebenden Prinzessin 500,000 fl.) eröffnete ihnen die nach 
einigen Jahren in Frankreich eingeführte Konsular-Regierung in 
Frankreich große Aussichten. Beide Fürstinnen erhielten auch 
durch geschickt gepflogene Unterhandlungen die Zusicherung der 
französischen Regierung, die Einkünfte der Saarbrück'schen Domänen, 
wozu Waldungen, Kohlenbergwerke pp. gehörten, zu bekommen; 
da gab auch diesen Fürstinnen ein schlechter Ratgeber ein, auf 
Rückstände zu dringen, was von den langen Kriegsjahren her 
eine ungeheuere Summe betragen hätte, — dazu wollte die 
Regierung sich nicht verstehen, und am Ende der neuen Unter— 
handlung bekamen die Dämen — nichts! 
Schon früher war mein Bruder Karl in österreichische Dienste 
Jegangen und machte bis 1799 den Krieg mit; da meiner Mutter vor⸗ 
rätiges Geld längst alle war, so verpfändete und verkaufte sie von 
ihren Brillanten zuerst ein Paar Ohrringe, die sie mir schon längst 
als Brautgeschenk zugedacht und öfters als solches gezeigt hatte, 
und von deren Wert der Umstand zeugt, daß sie in dieser bösen Zeit 
100 Dukaten dafür erhielt! — Davon lebten wir sehr eingeschränkt, 
denn die Nassauer Fürsten wollten kein billiges Arrangement 
machen, und die Gräfin hielt es auch für vorteilhafter den Frieden 
abzuwarten und mit demselben vielleicht die Entstehung eines 
Tribunats, vor welchem Recht zu erlangen wäre; doch sie hatte 
ja längst ihr Recht aus den Händen gegeben! Die Angst nicht 
unumschränkte Herrin ihres Vermögens zu bleiben hielt sie immer 
ab, einen tüchtigen Vormund für ihre Kinder zu wählen; immer 
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