Full text : Beitrag zur Geschichte des Berg- und Hüttenwesens im Ottweiler'schen

die Verheerung (1635) und Auswanderungen unter. Die übrigen Familien
sind seither eingewandert.
Die Katholiken stammen zu einem nicht unbedeutenden Teile aus Tyrol,
aus dem Luxemburgischen, Trierischen, Kölnischen usw. Infolge der
franz. Okkupation von 1680-97 sind keine Protestanten gezwungen worden,
katholisch zu werden. Wir haben heute nur eine einzige Familie, von der
ein Mitglied damals kath. geworden ist und dann auch in eine kath.
Familie geheiratet hat. Seine Mutter ist doch prot. geblieben und auch
als Protestantin bei ihrem kath. Sohne gestorben.
Die Protestanten stammen ebenfalls aus sehr verschiedenen
Gegenden.
Die Juden ließen sich erst vom Jahre 1777 an in Ottweiler nieder,
Früher war es ihnen nicht gestattet, hier zu wohnen. Es bestand aber,
wie aus einem Schreiben des hiesigen Stadtrates an den Fürsten Ludwig
aus dem Jahre 1779 hervorgeht, eine prophetische Sage, dass derjenige
Fürst das Land werde verlassen müssen, welcher die Juden aufnehmen
würde,

Die hiesigen Bewohner standen auf einer Dialektgrenze. Auf der einen
Seite kommen Spuren der Hunsrücker Mundart, auf der anderen aber solche
des allemannischen Dialektes vor. Jene offenbarten sich in der Unwandlung
 der Buchstaben tt oder d in r, z. B. die Juren statt die Juden,
Kerren statt Ketten, diese aber in der Ausstossung der Umlaute z. B.
"es hat gelitten", statt "es hat geläutet","Tänsch" statt "Wasserdurch-Yaß“
 in einem Weiherdamm. In alten Urkunden kommen mehrere der Beispiele
 vor, denn der Allemanne sagt statt Haus - Hus, statt Eisen -
Isen, nein - nin, usw. Er hängt auch gern ein "el" an, welches der
Schwabe noch mit einem "e", der Schweizer mit einem "j" versieht, z. B.
Ross - Rössel, Rössele und Rössli. Der eigentliche Westricher verwandelt
 den Umlaut "ei" gerne in ee. Dann wandelt er auch das Hilfszeitwort
 sein etwas eigentümlich ab, z. B. Mir bin, ihr bin, sie bin und
ich bin aeween.

Zum Schlusse bitte ich um Entschuldigung, wenn ich durch vorstehende
Notizen noch nachträglich gelangweilt oder geärgert haben sollte. Mich
tröstet der Gedanke, dass meine Worte, die ich am 3. Sept. 1859 bei der
arundsteinlegung des hiesigen Bahnhofs gesprochen habe, doch in Erfüllung
 gehen werden. "Ich lege hiermit den Grabstein für Alt-Ottweiler
und den Grundstein im Neu-Ottweiler. Das schlechte Alte möge nach und
nach vergehen, das gute Alte wird sich erhalten. Wenn auch Böses, so
wird doch auch viel Gutes im Laufe der Zeit über Stadt und Land kommen.
Dieser Blick in die Zukunft tut mir in der Seele wohl und ich kann auch
umsomehr beruhigt sein, als man mir bereits vor vielen Jahren die
Stelle angedeutet hat, an der sich einst - ich hoffe erst im 20. Jahrh.
unserer Zeitrechnung - mein Denkmal erheben wird. An jenem Tage wird
nan sagen: "Ni, so war noch nix!"
Ich bin kein Prophet, diese Vision geht daher auch nicht von mir,
sondern von prot. Seite aus. Doch bis dahin wünsche ich allen Freunden
und Feinden Heil und Segen, Gesundheit des Leibes und der Seele, der
Stadt und dem Lande ein freundliches:

Glück aut
            
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