Full text : Beitrag zur Geschichte des Berg- und Hüttenwesens im Ottweiler'schen

haben. Er verstand aber vielleicht zu wenig von dem Kohlenverbrauche
in einer Haushaltung, als dass er je hätte merken können, dass die
Einwohner durch seinen Beschluss ausserordentlich benachteiligt worden.
 Dann aber war der Verbrauch des Holzes noch so allgemein, dass
die Steinkohlen nur in zweiter Linie standen. Alle Reklamationen
blieben jedoch von nun an fruchtlos. Auch klagten die Einwohner
vergeblich darüber, dass ihnen auf den sog. Goldgruben im Kohlwalde
mitunter solche Kohlen geliefert würden, die kaum den Namen verdienten.


Preussische Periode
In der Nacht vom 31, Dez. 1813 auf den 1. Jan. 1814 gingen die Deutschen
 an verschiedenen Orten über den Rhein und trieben die schwachen
 Trümmer der grossen franz. Truppen vor sich her. Am 5. auf den
6. Jan. 1814 lagerten die letzten Reste derselben in und bei
Ottweiler. Am 6. Jan. rückten die schwarzen preussischen Husaren
ein. Und an demselben Tage rückten einige Husaren nach dem Kohlwalde
vor, um die Bergkasse zu stürzen. Diese war aber leer.
Der damalige Schichtmeister erzählte mir aber, dass diese Husaren im
Bergfache angestellte Leute gewesen sein müssten; denn die Art und
Weise der Revision der Kassenbücher habe das gezeigt. Auch der Held
Blücher kam durch Ottweiler und nahm in Neunkirchen bei Herrn
Couturier sein Quartier.

Bei dem Pariser Frieden (J. 1814) blieb noch der Kanton Dudweiler
bei Frankreich; die Grenzen Deutschlands und Frankreichs berührten
sich daher auf dem Bildstocke. Es trat auf deutscher Seite die österreichisch-bayerische
 Administration ein, welche ihren Sitz zu Kreuznach
 hatte. Der Friedensschluss 1815 gab aber auch die Kantone
Dudweiler und Saarbrücken wieder zu Deutschland zurück. Ottweiler
und Umgebung waren durch den Artikel 49 der Wiener Kongressakte dem
arafen von Pappenheim als Entschädigung zuerkannt worden. Die Krone
Preussen aber kaufte dieses Gebiet von dem Grafen für die Summe von
750 000 Reichstaler. Preussen kannte den innern Wert der Gegend.
Sie war nämlich von dem nun pens. Oberberghauptmann, des wirkl. Geh.
Rates Herrn von Dechen , Exzellenz, auf den ungeheueren Kohlenreichtum
 aufmerksam gemacht worden, Und dieser Umstand hatte einen
grossen Einfluss auf die Abgrenzung des Landes. Bayern würde, wenn
man die Einsprünge der Flöze der Bänne von St. Ingbert, Mittelbexdach
 und Breitenbach genauer gekannt hätte, heute gar keine Steinkohlen
 auf seinem rein pfälzischen Gebiet haben; diese Ortschaften
würden zu Preussen gezogen worden sein. Ich habe das z. Zt. aus dem
Munde von Männern gehört, die etwas von der Sache wussten. Im
Herbste des Jahres 1815 wurde der Krone Preussen zu Saarbrücken und
am 1. Juli 1816 zu Ottweiler gehuldigt.
Die preussische Verw., welche für das Saarbrückische bereits bestand,
 trat nun auch für das Ottweilersche ein. Obgleich ich einem
Geschichtsschreiber der preussischen Verw., welche in der Tat grosse
Anlagen gemacht und grosse Resultate erzielt hat, hier nicht vorgreifen
 will, so ist es doch vielleicht nicht ganz ohne Interesse, die
ersten Preiszette 1] mitzuteilen.
            
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