Das ist aber nicht wissenschaftlich. Der Herr Prof, Dr. Quenstedt zu
Tübingen sagt daher richtiger: "Hier ist dem Denker eine Schranke
gesetzt, die nur der mit glücklichem Selbstgefühl überspringt, welcher
sagen kann: Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde."
Dieser Schranke ungeachtet, haben sich dennoch viele darangemacht, jene
Frage zu lösen. Da sie aber den tiefen Abgrund nicht mit positiven
Dingen ausfüllen konnten, so haben sie das mit Hypothesen oder mit
Phantasiegebilden mit wissenschaftlicher Färbung zu tun gesucht. Der
berühmte und geistreiche Franzose Lap lace hat sich dabei ausgezeichnet.
Er hat bei seinem Baue des Weltgebäudes viele Nachbeter und,
wie Goethe sagt, viele Schubkärrner gefunden. Der genannte Gelehrte
nahm an, das ganze Weltsystem sei aus einer glühenden Dunstkugel,
welche sich, erkaltend, verdichtet habe, hervorgegangen. Dann aber
seien, durch ringförmiges Abspringen grosser Massen mit fortdauernder
selbständiger Achsenbewegung (Rotation) die einzelnen Weltkörper entstanden.
Laplace glaubte, wie er Napoleon I. stolz antwortete, den
ewigen, allmächtigen und allweisen Schöpfer des Weltgebäudes ausser
Acht lassen zu können. Er hat sich indessen späterhin bei dieser
Weltbauerei selbst nicht beruhigt, denn man hat vor einigen Jahren ein
von ihm eigenhändig geschriebenes Schriftstück aufgefunden, worin er
zur Versöhnung mit der Religion seine Hypothesen für das erklärt, was
sie nur sein können, und das Geständnis ablegt: "Das, was die Menschen
wissen, ist so wenig, das aber, was sie nicht wissen, ist unermesslich."
Er wollte nicht als Gottesleugner oder als Materialist in die
Ewigkeit gehen. (Gest. 15.Mai 1827)
Die Erschaffung der Welt ist überhaupt eine Sache, die sich mit
Redensarten nicht abtun lässt. Weshalb aber ist man so erpicht darauf,
diese Tat Gottes zu beseitigen? Man möchte gern einen nicht zu lösenden
Widerspruch gegen die Bibel erheben und begründen. Das geht aber nicht,
denn Moses ist durch seine Grösse und Einfachheit
allen Kleingeistern, wenn sie sich auch so sehr auf die Zehen stellen
und spreizen, unerreichbar. Auch hat sich der Schöpfer wahrlich in
seinem Werke nicht unbezeugt gelassen. Wir können das leicht finden,
mögen wir den Blick durch die Schächte in das Innere der Erde oder in
die Tiefe des Meeres oder aufwärts in die Sternenweit richten. Ja, wir
brauchen nur, um das zu erkennen, den Blick auf und in uns selbst zu
richten. Sind wir noch keine Toren geworden, so werden wir bald finden,
was wir suchen: Got +
Die Offenbarungsgläubigen verlangen nun das Eine, nämlich, dass ihnen
zugestanden werde, Gott habe Himmel und Erde erschaffen. Gut, hör' ich
sagen: Dann ist die Welt doch jedenfalls älter als die Juden und
die Christen annehmen, und man wird auch nicht wohl annehmen
können, dass das Weltdebäude in sechs Tagen erschaffen worden sei. Die
Offenbarungsgläubigen könnten das leicht einsehen, wenn sie mehr auf
die Resultate wissenschaftlicher Forschung achten wollten und würden.
Ich will hierauf kurz antworten.
Wann die Welt ihren Anfang genommen, weiss ich nicht. Mich kümmert das
auch nicht. Wer glaubt, die Welt sei Millionen Jahre alt, den störe ich
dabei selbst dann noch nicht, wenn er seine Anforderung auf Milliarden
steigert, denn ich zähle das Alter der Welt nicht von ihrer Entstehung
an, sondern nur von dem ersten Auftreten unserer von Gott erschaffenen
Stammeltern, und auch dabei gehört es nicht zum Glauben, eine bestimmte