Die Abweichungen der Mundart vom Hochdeutschen lassen
sich in mehrere Gruppen ordnen; wir unterscheiden Verschieden—
heiten 1. bezüglich des Wortschatzes, 2. bezüglich der Lautbildung,
3. in grammatischer Beziehung, 4. in der Wortbildung, 5. in der
Satzform. —
1. Die Mundarten haben die Entwickelung, die zu unserer
jetzigen Schriftsprache gesführt hat, nicht in vollem Umfange mit—
gemacht. Sie stehen daher der Schriftsprache an Reichtum der
Formen und Ausdrücke erheblich nach, haben aber manche Wörter,
die das Hochdeutsche aufgegeben hat, beibehalten, auch einzelne
Formen bewahrt, die das Hochdeutsch nicht mehr kennt (zween,
zwo, zwei). Bemerkenswert ist auch, daß manche Wörter, die der
Volks- und Schriftsprache geläufig sind, bezüglich ihres Inhaltes
erhebliche Verschiedenheiten zeigen. (Der Teich ist in der Mund—
art ein künstlich hergestellter Graben mit fließendem Gewässer,
ein Sturm ist eine Zeitlänge, schlau ist schief oder abgeschrägt,
auch ein angenehmes Gefühl, ein Laster ist eine Menge, spüren
bedeutet fühlen, dich hat auch die Bedeutung von dicht). Eine
Aufzeichnung des Wortschatzes der heimischen Mundart trifft in
unserem Kreise auf besondere Schwierigkeiten, weil die Verschie—
denheiten gar zu groß sind. Zunächst durchzieht eine Scheidelinie
die bleib-bleif-Linie, den Kreis; stärker noch trennt die Grenz—
linie zwischen Mosel- und Rheinfränkisch, gekennzeichnet durch den
Endlaut des Artikels das—-dat. Die Ursache anderer Verschieden—
heiten in Lautgehalt und Lautfärbung liegt einesteils darin, daß
unser Kreis früher sechs verschiedenen Territorien angehörte, an—
dererseits in der Heranziehung fremder Siedler aus anderen
Gegenden (Eifel, Württemberg, Schweiz,) besonders aber in der
bis in die Jetztzeit fortdauernden Massenzuwanderung zur In—
dustrie aus allen Nachbargebieten, insbesondere vom Hunsrück und
aus der Pfalz. Ein Teil des Wortschatzes unserer Gegend ist am
Schlusse dieses Heftchens abgedruckt; alle Kenner unserer Mund—
art sind herzlich gebeten, zur Vervollständigung dieses Verzeich—