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Auch die Zukunft wird nicht in der Weise des Hochdeutschen
gebildet. Man wendet die Gegenwart an und sagt: Wir gehen
morgen in die Kirche, anstatt: Wir werden morgen in die Kirche
gehen. Ich schreibe dir bald einen langen Brief. Sie bekommen
ihr Geld nach einigen Tagen. Diese Ausdrucksweise ist übrigens
auch im Hochdeutschen gebräuchlich.
Auf einige Besonderheiten mag schließlich noch aufmerksam
gemacht werden, die beim Gebrauch der Verben vorkommen, Das
Mittelwort der Gegenwart wird im allgemeinen nicht ange—
wandt; in einigen Fällen hat man sich besondere Formen als
Ersatz gebildet und sagt z. B. glüdig für glühend, wüdig für
wütend. In der Leideform ist die Partikel werden oft durch
geben ersetzt: Das Kind gitt geschlagen; aber die Kinder sinn
geschlagen worre (worden). Die Fässer geben gefüllt; aber sie sind
gefüllt worden, auch sind gefüllt geben. Jedenfalls haben Schulen
und Bücherdeutsch schon bewirkt, daß die hochdeutsche Redeweise
sich mehr und mehr einbürgert.
Im Imperativ werden die Formen, die den Vokal verändern,
abweichend gebildet: Eß, les, stech, helf, brech, tret, treff, vergeß,
verderb, werf.
Die Konjunktivformen und die bedingende Redeweise weichen
ebenfalls vom Hochdeutschen ab. Er fragte, ob ich krank wäre.
(sei). Die Mutter meinte, ich tät in die Kirche gehen. lich ginge
in die Kirchej, Wir täten auch Heu machen, wenn es besseres
Wetter geben tät. (Wir würden auch Heu machen, wenn besseres
Wetter einträte). Er stellte sich, als wenn er fleißig sein würde.
l(als wenn er fleißig wäre). Die Eltern täten kommen, wenn
wir sie eingeladen hätten. (Die Eltern kämen, würden kommen)
wenn usw.
Die Abwandlung von sein geschieht meist: Ich sinn, du bis,
er is, mir sein, ihr sein, sie sein. Seltener hört man wir bin,
es muß bin, was bin muß, soll gleich bin, Statt des Imperfekts
ich war krank, sagt man oft unschön: Ich war krank gewesen, in
der Kirche gewesen, die Kinder waren auf dem Eis gewesen.
Eine eigenartige Konstruktion erscheint noch in den Sätzen:
Der Vater ist mähen. Die Mutter ist kaufen. Die Kinder sind
spielen. Ich bin schon schlafen. Sie dürfen wohl als Abkürzungen
gelten für die Sätze: Der Vater ist zum Mähen, die Mutter zum
Kaufen gegangen.