Full text : Abweichungen der Mundart des Kreises Ottweiler vom Hochdeutschen nebst einem Verzeichnisse mundartlicher Ausdrücke

— Die Schüler stehen daher den Genitivformen anfangs voll—
ständig fremd gegenüber, verstehen in den Worten des Lehrers,
des Lesebuches, der Bibel usw. die durch den Genitiv dargestellten
Beziehungen nicht und machen beim Versuche der Anwendung
zahlreiche Fehler. Auch die schriftliche Anwendung veranlaßt viele
Schreibfehler, besonders machen die Gruppen, die durch die Wörter:
des Flusses, des Fußes, des Fuchses, des Gerichts, des Löwen, der
Hand angedeutet sind, viele Schwierigkeiten.
Der 3. Fall wird in der Mundart durchweg ohne Endung
gebraucht. Man sagt: dem Haus, dem Baum, dem Tisch, dem
Mann, dem Elefant, dem Briefbot, dem Schafhirt, dem Soldat,
dem VBär, dem Mensch, dem Graf, dem Fürst, dem Judd. Da—
durch wird in Wörtern wie dem Flusse, dem Gruße, dem Fuchse
die Rechtschreibung sehr erschwert. Die unbestimmten Geschlechts—
wörter einem und einer werden in der Mundart so verstümmelt,
daß die Deutlichkeit der Rede darunter leidet; man kürzt sie ab
und sagt: Ich hab das Buch em Kind, er Frau, em Mann gebb.
Der Vogel hat auf em Baum gesessen. Im Akhkusatirv weicht
die Mundart namentlich bei den Wörtern der schwachen Dekli—
nation und bei dem unbestimmten einen von dem Hochdeutschen
ab. Bei ersteren wird die Endung eu ausgelassen und man sagt:
den Has, den Löb, den Soldat, den Elefant. Auch bei einen
fällt en fort und es wird gesprochen und geschrieben: Das
Mütterchen sah ein Sturm kommen. Es nahm ein Feuerbrand.
Rotkäppchen ging durch ein Wald. Es trug ein Korb und sah
rin Wolf. — Die Wörter mit falscher Geschlechtsbezeichnung
werden natürlich auch falsch abgewandelt, und da ist es besonders
der Akkusativ, der mit Zähigkeit den mundartlichen Artikel fest—
hält. Man geht über das Platz, fährt in das Schacht, sieht
eine Rabe, rupft die Salat und schnürt den Bündel. In der
Mehrzahl handelt es sich besonders um den Dativ, er wird in der
Mundart regelmäßig ohne ngebildet. Man wohnt in den
Häuser, acbeitet auf den Felder, gibt den Bäm Wasser, sitzt auf
den Stühle, strickt mit den Nadele, kommt nach 8 Tage, spricht
von den große Schoppe und trinkt aus Gläser mit Deckele.

VI. Eigenschaftswörter.
In der Fallbiegung der Eigenschaftswörter läßt die Mundart
die Geschlechts- und Fallendungen er, es, en aus und setzt ofte,
            
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