Full text : Abweichungen der Mundart des Kreises Ottweiler vom Hochdeutschen nebst einem Verzeichnisse mundartlicher Ausdrücke

reisch. Wörter wie dreißigjährigen, tägliche, fürchterliche, gebirg—
igen klingen gradezu unschön und unverständlich. — Diese fehlerhafte
Lautbildung hat zunächst für die Deutlichkeit der Rede große
Nachteile, sie führt dahin, daß der Fremde sie schlecht versteht.
Für die Rechtschreibung aber ist sie ein wahres Kreuz. Nur solche
Kinder, die infolge eines glücklichen Gedächtnisses die Wortformen
behalten, kommen darüber hinweg, die anderen schreiben Mensch,
Fleisch, Tisch, Kirsche u. s. w. mitsch, gleich, Mönch, durch, Michel,
mit sch, — zeigt, heilig, verbirgt u. a. mitsch oder sch. Sie finden
sich in diesem Laut- und Buchstabenmischmasch nicht zurecht und
geben so Anlaß zu steten Verdrießlichkeiten.
4. r, g, ch. Das richtig gesprochene r wird mit der Zungen—
spitze gebildet. Diese ist hinter der oberen Zahnreihe angelehnt
und gerät durch den Luftstrom in schwingende Bewegung; gleich—
zeitig ertönt die Stimme. So gebildet, ist daser ein sehr klarer,
leicht erkennbarer Laut, der nicht verwechselt werden kann und
daher die Verständlichkeit der Rede fördert und die Rechtschreibung
erleichtett. — Unsere Gegend bildet ihn jedoch nur vereinzelt
richtig; ja es ist bemerkt worden, daß von Jahrzehnt zu Jahr—
zehnt die Aussprache schlechter wird. Man bildet nämlich daser
nicht durch Schwingungen der Zungenspitze, sondern durch Schwin—
gungen des Zäpfchens und anderer Gaumenteile; dadurch entsteht
ein Laut, der, wenn er stimmlos ist, dem hinter a, o, u, au
stehendensch fast gleich ist, wenn er stimmhaft ist, dem g in Auge,
fragen, zogen schlugen fast gleichkommt. Dann klingt bohren fast
wie Bogen, sauren wie saugen, Fuhren wie Fugen, Haare wie
Hage, Jahre wie jage, verloren wie verlogen, laure wie Lauge,
Ware wie Wage, rare wie rage, Karl wie Kachl, Knorren wie
Knochen, Narr wie nach. — Oft auch werden die Endkonsonanten
(besonders r), ja auch ganze Endsilben ausgelassen oder ver—
stümmelt, so daß Weg wie Wä, Wagen wie Wan, Regen wie
Rän, Schläge wie Schlä, Plage wie Plo, sage wie sa, mehr wie
meh, Wage wie Wo, Schar wie Scha lauten. — Folgt aufer noch
ein Mitlaut wie in Arm, Bart, stark, Arbeit, Fahrt, hart, warten,
fort, Bord, Gurt, kurz, Herz, Kerze, Wirt, Bürde, so verschwindet
es fast; jedenfalls ist die Aussprache dann so matt, daß die Deut—
lichkeit sehr darunter leidet.
5. pf. In den Wörtern, die jetzt im Hochdeutschen pf haben,
mag es nun im An-, In- oder Auslaut stehen, setzt unsere Mund—
            
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