Full text : Abweichungen der Mundart des Kreises Ottweiler vom Hochdeutschen nebst einem Verzeichnisse mundartlicher Ausdrücke

3. u. Es muß rein und ohne Beiklang von o erklingen.
Darauf ist besonders in folgenden Wörtern zu achten: Nuß, Turm,
Uhr (nicht Auer), um, Unglück, Stunde, Schulter, unter, Blut.
Hut, Pfund, nun, Nutzen usw.

4. i wird hier in manchen Wörtern rein gesprochen, in
anderen dagegen neigt die Klangfarbe stark nach e, ä und anderen
Lauten, So sagt man Kersch statt Kirche, Fusch statt Fisch, Scheff
statt Schiff, Kenner statt Kinder.
5. e. Wir unterscheiden im Deutschen ein dreifaches e, ein
offenes (lang und kurz) in wer und Herr, ein geschlossenes (nur
lang), in Beet, ein dumpfes in Nebensilben. — Das offene e, sei
es lang oder kurz, wird oft zu breit (Annäherung an a) ge—
sprochen, — das geschlossene e wird in den der Pfalz benachbarten
Ortschaften zu offen gesprochen, (falsch ist zähn für zehn, stählen
für stehlen, lär für leer). Auch der gegenteilige Fehler, daß man
e statt ä spricht, kommt vor. (Kefig statt Käfigs. — Das dumpfe
e, ein Mischlaut, der fast nur in Nebensilben vorkommt, wird zu
klanglos gesprochen, sogar vielfach ganz ausgelassen. Man hört
oft wartn für warten, untr für unter, Gbet für Gebet, Gfechtn
für Gefechten. Alle diese Aussprachefehler vermindern die Ver—
ständlichkeit des Gesprochenen und die Ausbildung des Sprach—
gefühls so erheblich, daß die mangelhafte Ausbildung im Deutschen
vielfach darauf zurückgeführt werden muß.

6. ö. Bei allen Wörtern mit ö muß dieses deutlich vonse
unterschieden werden; bösen, Besen, Vögel, Flegel, Höhle, Hehler,
höher, Heer, Söhne, Sehne, Köhler; Kehle, Möbel, Nebel, Spötter,
Löhne. Lehne, Löffel.

7. ü darf nicht wie i klingen, man spricht Füße nicht Fieße,
Brücke nicht Bricke, Schüler nicht Schieler, Stühle nicht Stiele,
Bütte nicht Bitte, für nicht vier, trühmen nicht Riehmen, spülen
nicht spielen.

8. Für äu und en, die denselben Laut bezeichnen, einen Dop—
pellaut, der aus langem o und kurzem i besteht, sagt man durch—
weg ei; dann klingt Räuber wie Reiber, Eule wie Eile, Häuser
wie heiser, säuft wie seift, Schläuche wie schleiche, Beule wie Beile,
Euter wie Eiter, Fäuste wie feiste, Keule wie Keile, heulen wie
heilen, Feuer wie Feier, räumen wie reimen, Scheune wie scheine.
            
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