Full text : Chronik von Oberbexbach u. Frankenholz

Das Seitalter der Revolution.

In Frankreich wurde unter Ludwig XIV. und XV. im
17. und 18. Jahrhundert das Volk hart gedrückt; eine leicht—
sinnige Günstlingswirtschaft hatte das Land dem Staatsbankerott
nahe gebracht; das arme Volk erlag fast unter der Last er—
drückender Steuern; zudem war Adel, Geistlichkeit und Klöster,
denen fast 8/4 allen Grund und Bodens in Frankreich gehörte,
steuerfrei. Ludwig XVI., dem diese traurige Erbschaft zufiel,
war ratlos; er berief 1789 die Nationalversammlung. Der
bürgerliche Teil derselben riß die Gewalt an sich, setzte den
König ab, schaffte die Vorrechte ab und führte Steuergleich—
heit ein.

Diese Freiheits- und Gleichheitsgedanken zündeten auch
bei unserm deutschen Volke, besonders bei den Pfälzern; auch
diese seufzten schwer unter den Feudallasten und Fronden; be—
stand doch unsere heutige Pfalz damals aus nicht weniger als
35 kleinen Herrschaften. Es darf da nicht Wunder nehmen,
daß auch bei uns die Freiheitsapostel, die aus Frankreich zu
uns kamen und „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ predig—
ten“, begeisterte Aufnahme fanden. Selbst Goethe stimmt ein
in das allgemeine Lob: „Denn wer leugnet es wohl, daß hoch
sich das Herz ihm gehoben, als man hörte vom Rechte der
Menschen, das allen gemein sei, von, der begeisterten Freiheit
und von der löblichen Gleichheit!“
Die Bürger in Stadt und Land, die bisher in stiller Ruh
und treuer Untertänigkeit für ihren gnädigsten Landesherrn
lebten, verlangten Erleichterungen und zwar: 1. Ermäßigung der
Landgelder, 2. Vorlegung der Landkassenrechnung, 8. Aufhebung
aller Monopole, 4. Verminderung des Wildbrets, 5. Freien
Handel mit Tabak und Branntwein, 6. Aufhebung des Kartoffel⸗
zehnten, des Papier- und Lederstempels, der Fruchtsperre, 7.
Freie Frachtausfuhr ins Ausland, 8. Milderung der Strafgelder,
9. Entfernung des allseits gehaßten Präsidenten v. Hammer
(Saarbrücken); trotzdem die Regierung sehr nachgiebig war und
die verlangten Erleichterungen, so weit tunlich, gewährt, auch Gipfel-,
Reiser-, Lese- und Stockholz in den Wäldern bewilligte, wurde
die Unzufriedenheit immer größer. Als unterm 31. Okt. 1792
ein französ. Korps in Saarbrücken einrückte, wurden die unzu—
friedenen Elemente kühner und bald war auf dem Warktplatze
ein Freiheitsbaum aufgestellt; beim Abzuge der Franzosen,
2. November 1792, trug schon jeder Bürger die Kokarde. Die
Unzufriedenheit wurde immer größer; mit jedem Tage wurden
            
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