Die Entwicklung der kath. PDolksschulen Neunkirchens.
Von Rektor M. Rodermund
Ueber die Entwicklung der katholischen Schulen Neunkirchens in den
oerflossenen 50 Jahren weiß niemand besser Bescheid als Herr Rektor Zen—
der, der seit 1871 an der hiesigen Volksschule beschäftigt war, zuerst als
Lehrer, dann als Hauptlehrer und von 1902 ab bis 1914, dem Jahre seiner
Pensionierung, als Rektor. Im Jahre 1871 zählte die katholische Volks—
schule 8 Klassen mit 4 Lehrern für die Knaben und 4Schulschwestern für die
Mädchen; die Klassensäle waren in den Schulhäusern der Gerichtsstraße und
der Viktoriastraße. Die Schulschwestern mußten am 1. Oktober 1872 infolge
der Allgemeinen Bestimmungen weltlichen Lehrkräften weichen, so daß von
da ab 6 Lehrer (Zender, Hermann, M. Lentes, Schönmann, Thinnes und
Adams) sowie 2 Lehrerinnen (Blasius und Wanweiler) die Schule betreuten.
Die Klassenstärke betrug damals 60—70 Kinder und mehr, selbst Klassen von
3090 Kinder kamen vor. Die Gehälter waren sogenannte Klassengehälter
d. h. der Lehrer der Oberklasse bekam 360 Taler, der der 2. 330, der der 3.
300, dann weiter 280, 260, 240, 200 Taler, so daß natürlich jeder sich bestrebte,
möglichst bald eine höhere Klasse und damit ein höheres Gehalt zu bekom—
men. In diese Zeit fällt die Anstellung des 1. weltlichen Kreisschulinspektors,
da die bisherigen geistlichen Beringsschulinspektoren nach und nach beseitigt
verden sollten. Nach Ottweiler kam ein Herr Straubinger, ihm folgte von
1845 1874 Herr Schröder, dann von 1877-1884 Herr Tyszka, dem auch die
evangelischen Schulen unterstellt waren. Von 1854-1888 übernahm wieder
Herr Schröder die Inspektion Ottweiler, und dann folgte Herr Erdmann
von 1888-1911, ein überaus energischer, das Schulwesen bis in die feinsten
Verzweigungen beherrschender Fachmann, dem die Lehrerschaft bei seinem
Eintritt in den Ruhestand ein begeistertes Abschiedsfest bereitete. Sein
Nachfolger, Herr David, der vor wenigen Jahren als Bürgermeister von
Dillingen starb, war weniger haltbar und machte schon nach einem halben
Jahre dem Oberlehrer Dr. Boll Platz, der von 19121922 in Ottweiler
amtierte und jetzt die Geschäfte eines Regierungsschulrates in Koblenz aus—
übt. — Von 1875 bis zum Ausbruch des großen Krieges wuchs die Zahl der
katholischen Schulklassen jedes Jahr um 122 Stellen. Um Schulräume zu
schaffen, wurden zunächst die Schulhäuser an der Gerichts- und Viktoria—
straße durch Neubauten bezw. Aufstockung vergrößert, so daß in der Gerichts—
schule 9, in der Viktoriaschule 4 Klassen untergebracht werden konnten. Die
schnelle Zunahme der Schülerzahl drängte aber zu Neubauten. Zunächst
ntstand das Schulhaus mit Lehrerwohnung in Heinitz für die dort neuerrich—
tete Simultanschule; dann folgte der Bau des Schulhauses an der Zwei—
brückerstraße, wo in drei Sälen die kaholischen Kinder vom 1.-56. Schul⸗
jahre des Ortsteiles Scheib unterrichtet wurden; (P. Lentes, Trier, Frl. L.
Zartorius) die 2Z oberen Jahrgänge mußten noch bis 1906 in die anderen
Systemen gehen. Anfangs der 8er Jahren wurde das Schulhaus an der
Wellesweilerstraße mit 8 Sälen und 2 Wohnungen, bald darauf das Schul—⸗
haus in der Langenstrichstraße mit 12 Sälen und 2 Wohnungen erbaut und
1900 wurde das neue Schulhaus an der Jägerstraße, 8 Säle, bezogen. Mitt—
lerweile mußte auch in Schlawerie eine katholische Klasse und ein Schulhaus
gebaut werden, bald folgte die 2. und 3. und jetzt ist dort das 2. Schul—⸗
haus im Bau begriffen. Auch Sinnerthal forderte schließlich eine eigene