Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

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spielen, die Realien, wurden nicht gepflegt. Auch die Leibespflege trat in
den Hintergrund. Dieses änderte sich, als nach dem ruhmvollen Kriege
1870771 eine Aufschwungbewegung in allen Gebieten, auch in der Schule, ein—
setzte. Die 1872 erschienenen „Allgemeinen Bestimmungen“ des Ministers
Falk brachten einen großen Fortschritt. Die Fächer des praktischen Lebens
lraten den früheren gleichberechtigt zur Scite. Es wurde ein besonderer
Naturkundeunterricht, Erdkunde, Raumlehre, Zeichnen, Handarbeit, Haus—
wirtschaft und Turnen eingesetzt. Auch sorgte die Gemeinde in klarer Er—
kenntnis der Bedeutung, daß in den neuen Schulhäusern auch Badeeinrich—
tungen für die Kinder eingerichtet wurden, sodaß heute, trotz der großen
Zahl, jedes Kind wöchentlich von der Schule zum Bade geführt werden kann.
Auch wurden für die Hauswirtschaftskunde zwei Schulhäuser eingerichtet,
und zwei besondere Lehrkräfte angestellt, wenn dieses auch erst in der Zeit
stach 1900 geschah. Hand in Hand ging damit die Einrichtung von Schul—
gärten, die neben der praktischen Anleitung der Jugend in landwirtschaft—
lichen Dingen, auch einen erzieherischen Einfluß außerhalb der Schulzeit
ausüben sollten. Denselben Zweck verfolgten auch die Handfertigkeitskurse,
die schon sehr frühe (1889) eingerichtet wurden und viel Freude und auch
Segen stifteten. Heute sind in Neunkirchen 8 Lehrer mit 14 Klassen vorhan—
den. Neben dieser praktischen Ausgestaltung ging eine psychologische Ein—
stellung des Lehrverfahrens her. Die Lehrer drangen tiefer in die Erfor—
schung der Kindersseele ein und mancher Fehlgeist an Schwachen wurde
verhütet. Die Folge war eine Entstehung einer Hilfsschule, die in besonderer
Behandlung die geistig Schwachen zu heben sucht. Sie wurde 1919 gegründet
und hat zwei Klassen.
Auch inbezug auf Ausgestaltung der Schulen mit Lehr- und Lern—
mitteln ist die Gemeinde entgegenkommend gewesen, sodaß jede Schule eine
gewisse Bibliothek für die Kinder und Lehrer hat und eine gewisse Zusam—
menstellung von Lehrmittel. Im letzten Jahre war es möglich, jedes System
mit einem Lichtbilderapparat auszustatten soweit nicht durch die Schulbehörde
ein solcher zur Verfügung stand.
Nach dem Kriege 1914,18. der wieder in allen Richtungen und Schichten
des Volkes Umwälzungen zeitigte, hat auch die Schule eine solche zu verzeich—
stsen. Auf Grund des Erziehungsideals „sozialgerichtete Persönlichkeit“, die
auf Selbständigkeit und Selbstverantwortung das größte Gewicht legt,
mußte der ganze Schwerpunkt der Methode verschoben werden. Wieder
erscheinen neue „Richtlinien“, der Bildungs- und Arbeitsplan des Saarge—
bietes, der die Schulen auf Jahre hinaus beeinflußt. Die Umgestaltung
erfolgt aber nur allmählig und geht ohne Unsicherheit im ersten Stadium
nicht ab. Heute sieht man aber das Herausspringen der ruhenden Punkte:
die Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung der Schüler durch eigenes Er—
arbeiten!
Die Verwaltung der Schulen lag zunächst in den Händen des Klassen—
lehrers, der direkt seinem Orts- oder Kreisschulrat unterstellt war. Nach—
dem die Systemen größer geworden waren, war eine einheitliche Leitung
in denselben für notwendig erachtet und es wurden Lehrer mit der Leitung
beauftragt, indem sie zu Hauptlehrern befördert wurden. Das Jahr 1875
bedeutet in dieser Entwicklung einen Markstein. In derselben Entwicklung
lag dann die Ernennung von Rektoren als Leiter größerer Systemen,
deren Berufung aber vom Ablegen besonderer Prüfungen abhängig gemacht
            
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