Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

Kreis-Turn und -ESpielfeste, 1011, 12, 16, 18 und 21. Das letzte Fest dieser
Art fand in Dirmingen statt. Von 79 Schülern, die teilnahmen, bekamen 44
Preise.

In der Zeit von 1907 — 1910 fanden nach der Chronik 18 Wettspiele
(Fußball, Hockey, Schlagball) mit anderen Anstalten statt (z. B. Zweibrük—
ken, Birkenfeld, Friedrichsthal, Sulzbach, Saarbrücken). Nach dem Kriege
lebten die Schlagballspiele wieder auf. Eine Anregung, nach preußischem
Yuster alljährliche Schlagballwettspiele für alle höheren Schulen des Saar—
gebietes um einen Wanderpreis einzurichten, wurde von einzelnen Anstal—
ten freudig aufgenommen, von vielen dagegen abgelehnt, teils aus finan—
ziellen Gründen, teils aber auch grundsätzlich.
Vor 20 Jahren schon bestand eine freie Turn- und Spielvereinigung
Rach dem Kriege erschien sie wieder, und auch augenblicklich erfreut sie sich
regen Zuspruchs.
Im Kriege litt natürlich der Turnbetrieb, zeitweilig mußte er ganz
ruhen. Einen sehr guten Ersatz bildeten die große Geländespiele, wie sie
in den Jahren 1917 und 1918 stattfanden mit z. T. über 100 Teilnehmern.
Erst Anfang 1919, als die Besatzung Hof und Halle geräumt hatte, konnte
dieder ein regelmäßiger Turnunterricht einsetzen.
Lauter denn je sind mittlerweile die Stimmen geworden, die für die
Leibesübungen die gebührende Berücksichtigung in der Gesamterziehung
eerlangen. Es erübrigt sich, in einer Zeit, wie heute, darüber besonderes
zu sagen. Im übrigen Deutschland haben sich die Untöerrichtsbehörden in
einer grundlegenden Umstellung die Neuorientierung zu eigen gemacht. Wenn
auch noch lange nicht alles erreicht ist, so ist doch ein vielversprechender An—
fang da. Hoffentlich ist auch für unsere engere Heimat die Zeit nicht mehr
allzufern.

Viele unserer Schüler nehmen an den Uebungen und Veranstaltungen
der Turn- und Sportvereine teil. Es wäre ein gesunder Zustand, wenn
sie erst nach der Schulzeit dort mitzumachen brauchten. Aber unsere Schule
kann ihnen keinen Ersatz bieten. Wenige Tatsachen aus vielen herausgegrif—
fen, mögen das beleuchten. Die Anstalt zählt 518 Schüler, aber sie besitzt
noch nicht einmal eine Sprunggrube. Vor 23 Jahren haben sich die Schü—
ler der Oberstufe selber eine angelegt und in Stand gehalten. Mittlerweile
ist sie zerfallen. Zum Kugelstoßen ist augenblicklich nur 1 Kugel vorhanden
sca. 5 Pfund). Es kommt häufiger vor, daß Turnabteilungen sich aus eigener
Tasche Bälle und anderes Spielgerät beschaffen, weil es auch da oft am
nötigsten fehlt. In der Halle können bei schlechtem Wetter Freiübungen nur
mit sehr dürftiger Auswahl gemacht werden, denn alle Turner kommen
mit ihren schmutzigen Straßenschuhen in die Turnhalle, weil kein Vorraum
zum Umziehen da ist. Wenn ein Schüler auf dem Hof hinfällt, so ist es die
Regel, daß er sich verletzt und auch noch den Anzug beschädigt. Das Kura—
torium hat einmal (15. 5. 07) den Beschluß gefaßt, „wenn irgend möglich“
eine Spielwiese zu beschaffen. Von weiterem berichtet die Schulchronik
nichts.
Eine Anklage sollen diese letzten Zeile nicht sein, sondern nur eine
Anregung, ein Hinweis auf die offenbaren Mißstände. Es ist der herzliche
Wunsch aller Schüler, daß recht bald bessere Zeiten kommen mögen.
            
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