Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

Schlußfeier im Kreise der jetzigen und ehemaligen Mitglieder, sowie einiger
Ehrengäste statt. Meist handelt es sich gleichzeitig um eine Abschiedsfeier
für solche Mitglieder, die mit oder ohne Reifezeugnis die Anstalt verlassen.
Durchaus freiwillig und privat eingeübt sind die mannigfachen Vorträge,
welche dann von älteren und jüngeren Schülern geboten werden. Jeder
Schüler, der etwas bringen will kommt zu Gehör. Bei diesen Feiern zeigt sich
auch immer wieder die treue Anhänglichkeit früherer Schüler. Besonders
würdig verlief die letzte Schlußfeier im Nebensaal des Evangel. Gemeinde—
hauses mit 42 Teilnehmern. Gesang, Musit, Gedichte, szenische Vorführungen
Ansprachen, Lichtbildaufnahmen, Kaffee und Kuchen machten die Feier reiz—
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Nun noch einige Worte zur regelmäßigen Vereinsarbeit.
Im allgemeinen tagt der Verein am Montagnachmittag jeder Woche.
VIV—
geht, in der Aula, sonst in einer geräumigen Klasse. Diese Gruppe hat zur—
zeit 25 Mitglieder. Wenn nicht für ein bestimmtes Spiel geprobt wird,
so werden allgemeine Vortrags- und Spielübungen abgehalten. Bestimmte
Gedichte sind für alle zur Einübung aufgegeben worden (etwa: „Die wan—
delnde Glocke“ von Goethe, „So Einer war auch Er“ von Arno Holz, „Der
blinde König“ von Uhland u. a): sie werden von einzelnen Schülern gespro—
chen und hinterher werden von der Versammlung Aussprache, Ton, Schnel—
ligkeit, Auffassung, Haltung und dgl. beurteilt. Der vorige Schüler oder
ein anderer versuchen nun in der zweiten Wiedergabe zu zeigen, was sie aus
der Besprechung gelernt haben. In der Regel gibt der Leiter das Gedicht
hernach selbst und schlägt vor, es nun in der nächsten Sitzung erneut darzu—
bielen. Obwohl bei dieser Art von Uebungen manche spielfreudige Schüler
etwas ungeduldig werden und manche nicht den erforderlichen häuslichen
Fleiß aufwenden (es geht bei jüngeren Schülern hier oft wie bei den Fin—
gerübungen am Klavier!), glaubt der Leiter, nicht darauf verzichten zu kön—
nen. Denn immer wieder leiden an sich gutgemeinte Vorträge unter schlech—
ter, undeutlicher Aussprache oder unter nachlässiger, wenn nicht unfreier
Haltung oder unter falschem Sprechmaß. Daß aber andererseits allmählich
auch bei sonstigen Gelegenheiten die Mitglieder der Th.V. als bessere Spre—
cher auffallen, ist ein Beweis für die richtige Wahl des Weges. Das einzige
Opfer, welches der Leiter den Wünschen der Jugend einstweilen gebracht
hat, ist der Verzicht auf Einübung der Einzelleute. Die Sache ist wohl
zweckmäßig, aber vielleicht kommt diese zeiterfsordernde Aufgabe eher dem
Teutschen Unterrichte zu. — Bei den Spielübungen fängt man am besten
mit der Dramatisierung erzählender Gedichte an: „Der rechte Barbier“ von
CThamisso, „Klein Roland“ von Uhland, „Die Legende vom Hufeisen“ von
Goethe sind geeignete Beispiele. — Außerdem liest der Leiter oft ein kleines
Werk vor, das vielleicht als künftiges Spiel in Frage kommen könnte. An
freiwilligen Vorträgen wird schließlich alles freudig entgegengenommen, was
ein Schüler bringen will. —
Aehnlich verläuft dann zwischen 5 und 7 Uhr die Sitzung der Aelteren
Gruppe. Ihr gehören augenblicklich mit den Damen und 3 Lehrern 20
Mitglieder an. In dieser Gruppe ist naturgemäß die Selbständigkeit viel
größer. Auch werden öfters Berichte über Theater- und Schauspielerleben
geboten, wertvolle ältere oder neuere Dramen im Auszug oder ganz vorge—
lesen und grundsätzliche Fragen zur Vortrags- und Bühnenkunst erörtert
            
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