Am Samstag, den 14. Februar 1920, fand der längst mit Spannung
erwartete „Theaterabend?. statt. Ich setze die Vortragsfolge hierher:
1. „Militärmarsch“ von Schubert.
2. Einführender Vortrag (durch den leitenden Lehrer).
3. „Vorspiel auf dem Theater“ von Goethe.
1. „Spanisches Morgenständchen“ von Hacke.
5. „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist.
b. Balletmusik aus „Zar und Zimmermann“ von Lortzing.“
7. „Der farend Schüler im Paradeiß“ von Hans Sachs.
Die Musik bot unsere Musikvereinigung. Die Spiele leitete der
Oberprimaner Robert Schum. Einzelne Leistungen ragten über Schüler—
können weit hinaus, besonders der Dorfrichter Adam, dessen Darsteller, der
Unterprimaner Ludwig Anschütz, heute dem Saarbrücker Theater angehört.
Vieles war noch ungelenk und das Sprechen ist noch lange bei manchen Schü—
lern unzulänglich geblieben. Aber es war doch ein Anfang, und die Freunde
der Jugend und der Schule begrüßten ihn freudig. Der Besuch stellte zufrie—
den; wir kamen auf unsere Kosten und gewannen sogar einen Grundstock für
weitere Pläne.
Da diese Veranstaltung ebenso wie alle folgenden mit der ganzen
Schul- und Volksbildungsarbeit in Zusammenhang stehen sollte, so war in
Unterricht und Zeitung, bei Eltern und in weiteren Kreisen äußerlich und
innerlich geworben und vorbereitet worden. Besonders sollten hierzu dienen
literarische Aufsätze in der Zeitung und ein kurzer einführender Vortrag am
Abend selbst. Ueberall, wo sich dies Verfahren empfahl, ist es seitdem zum
Besten der Schüler- und Volksbildung in Neunkirchen beibehalten worden.
Dieses letzte Ziel stand den Leitern der Theatervereinigung von vorneherein
bemußt vor Augen. Die Wege, es zu erreichen, sind erst mit der Zeit plan—
mäßig ausgebaut worden.
Nach Ostern 1920 wurde die Spielschar zu einer geschlossenen Schüler—
vereinigung mit dem Namen „Theatervereinigung des Realgymnasiums
Neunkirchen-Saar“ (kurz als Th.-V. den Schülern bekannt) verbunden. Am
23. Oktober desselben Jahres wagte sie es, ein großes Drama zu spisen.
Noch immer waren wir auf den Saalbau angewiesen; noch immer mußte
bieles von uns gestellt, ja sogar hergestellt werden. Den „Erbförster“ von
Otte Ludwig leitete Ludwig Anschütz OJ in besonnener Weise. Der Unter—
primaner Rud. Molter gab den Förster Christian Ulrich mit starkem Ge—
fühlserleben. Auch die übrigen Darsteller lebten sich in die wirklichkeitstreue
Umwelt der Waldbewohner gut ein. Der jugendlichen Seele war die schau—
rige Romantik des Geschehens nicht fremdartig. Ueberraschend groß war
der geldliche Erfolg. Nun bestand eine große gemeinsame Kasse für
Theater- und Musikvereinigung.
Björnstjerne Björnsons Schauspiel „Gin Fallissement“ spielte
die Th.eV. am 24. Februar 1921. Robert Schum als Großhändler Tiälde
und Ludwig Anschütz als Advokat Berent boten künstlerisch Wertvolles. Eine
Frage sei bei dieser Gelegenheit beantwortet: wie wurden die Damenrollen
hesetzt? Von vorneherein hatte es der leitende Lehrer gewagt, alle ernsten
Frauenrollen durch erwachsene junge Damen aus der Gesellschaft, vielfach
Schwestern unserer Schüler, spielen zu lassen. Seit Jahren hat er damit die
besten Erfahrungen gemacht. Nur scheinbar hat hier der Erzieher dem künst—
lerischen Geschmack ein Opfer gebracht:die vornehme Haltung und selbstlose