Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

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gebracht, er hat es auch durch die Gefahren, die ihm durch die Freihan—
delspolitik des Reichstages drohten, hindurch gerettet und wiederum zur
Höhe der Leistung gesührt. Auf Einzelheiten einzugehen, dazu ist hier
nicht der Raum; auch kann im Rahmen dieser Festschrift über seine
Tätigkeit als Politiker kein Urteil gefällt werden. Hier genügt es, die
Tatsachen anzuführen, die uns schließlich die Entwicklung der höheren
Knabenschule mit verständlich machen.
Das aber wären kurz die Tatsachen: Stumm trat 1878 für den
Schutzzoll ein und erreichte dadurch, daß die deutsche Industrie nicht der
ausländischen im Wettbewerb unterlag — Schutz der nationalen Arbeit,
er vermied es, wenn eben möglich, Arbeiter zu entlassen — soziale Für—
sorge; er schuf neue Anlagen, führte 1881 die Thomasstahlgewinnung
durch und erweiterte immer mehr die Walzwerke. 1900 waren 4219
Hüttenleute beschäftigt, die für 10716 Angehörige zu sorgen hatten.
Anerkannt wurden seine Leistungen durch Vertrauen und Ehren. Schon
1867 wurde er in den Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt
und 1882 ins Herrenhaus berufen. 1874 erhielt er den Titel „Geheimer
Kommerzienrat“, 1888 den Titel „Freiherr von Stumm-Halberg“. Nicht
ganz 65 Jahre alt, schied er am 8. März 1901 aus der reichen Tätig—
keit und wurde am 13. Wärz in der Familiengruft auf dem Halberg
deigesetßt.
Wie durch seinen Freiherrn Neunkirchen als „Königreich Stumm“
in der großen Welt bekannt wurde, so gewann es auch im inneren Aus⸗
bau. Zwar blieb es „Landgemeinde“ im Verbande einer Bürgermeisterei
Neunkirchen, zu der außer Nieder-Neunkirchen auch die Gemeinden
Wellesweiler, Kohlhof, Spiesen und Elversberg gehörten. Aber es dehnte
sich mehr und mehr aus und erhielt manche städtische Einrichtung. Um
die Mitte des Jahrhunderts war der erste Schienenstrang an Neun—
kirchen vorbei gelegt und eine Bahnverbindung vom Rhein zur Saar
hergestellt. Seit 1860 zweigte von Neunkirchen die Rhein-Nahe-Bahn
ab, als preußische Staatsbahn und eine zweite Verbindung mit dem
Rheine. Das war für die Zufuhr der Erze und den Abtransport der
Industrie-Erzeugnisse wichtig, uud hob Neunkirchen zum Verkehrsmittel—
punkt, namentlich als 1879 die Fischbachbahn, dann die Hochwaldbahn
über Illingen eröffnet und die Gruben Heinitz und König angeschlossen
wurden.
Die Zunahme der Einwohnerschaft zeigen folgende Zahlen: 1875:
11197, 1880: 14647, 1885: 17 667, 1890: 19 040, 1895: 22 677, 1900:
27684, mit Nieder-Neunkirchen 29 187. Bevor wir die Geschichte ver—
folgen, betrachten wir das beigefügte Bild „Neunkirchen im Jahre 1874“,
aufgenommen vom Bahndamm aus. Im Vordergrunde liegt die 1864
gebaute Gasanstalt. Dahinter zieht sich noch ungepflastert, aber von
            
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