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wieder von einem Theaterbesuch. Und diesmal scheint es sich um einen wei—
teren Fortschritt für das Saargebiet zu handeln. Schüler des Ludwigs—
gymnasiums in Saarbrücken spielten Heyses „Kolberg“ vollständig, und 54
Lehrer und Schüler aus Neunkirchen besuchten die Vorstellung (5. 11. 13).
Am 28. 2. 14 sehen unsere Schüler Goethes „Egmont“ (Aufführung in
Saarbrücken) und dann einige Dramen im hiesigen“ Saalbau: 26. 5. 14
„Minna von Barnhelm“, 17. 5. 14 „Kabale und Liebe“, 24. 5. 14 „Die Braut
don Messina“. Bei der letzten Aufführung bildeten Schüler der Obersekunda
and Prima den Chor: gewiß eine gute Uebung, die der Ausgangspunkt einer
besonderen Pflege der Sprechkunst hätte sein können. Aber der Krieg hat
auch hier zunächst um eine weite Strecke zurückgeworfen.
Freilich sei der geschichtlichen Wahrheit wegen angemerkt: im Reiche
herrschte an vielen Schulen schon seit zehn Jahren oder länger auf diesem Ge—
biete ein regeres Leben. Der Verfasser selbst hat als Schüler und noch als
Student in Köln einer blühenden literarischen Shülervereinigung angehört,
die sich an manches schwierige Stück gewagt hat: „Der Tor und der Tod“
bon Hofmannsthal, „Leonce und Lena“ von Büchner. „Der gestiefelte Kater“
don Tieck, sogar „Der gehörnte Siegfried“ von Hebbel wurden gespielt, um
bvon Schülerdramen oder von Hans Sachs u. o. zu schweigen. Und dabei ver—
waltete sich diese Vereinigung völlig selbst, ahne von Lehrern beraten und
geleitet zu werden. Sie hat von 1906 bis in die Kriegsjahre hinein bestan—
den, und auch heute besteht dort, freilich nicht als unmittelbare Nachfolgerin
wieder eine Spielschar. Dies eine kurz angedeutete Beispiel möge für viele
ähnliche genügen. Ein zweiter Punkt sei um der Gerechtigkeit willen betont.
Was mit wertvoller, anregender Kleinarbeit in Begeisterung für edle Dicht—
werke die Lehrer des Neunkirchener Realgymnasiums im Unterrichte selbst
erzielt haben, ist nicht in der Chronik verzeichnet, wirkt aber gewiß bei vielen
früheren Schülern noch heute segensreich fort. Die wertvollste Schularbeit
fällt oft nicht ins Auge, und die großen Spiele sind nicht der einzige Maß—
stab. Aus der Chronik selbst sei noch kurz folgendes erwähnt: Am 27. 6. 1914
trug der Schauspieler Rud. Bennewitz in der Aula vor 148 Schülern aller
Klassen ernste und heitere Dichtungen vor anscheinend der erste derartige
Fall. An Theaterbesuchen in der Kriegszeit finde ich noch verzeichnet:
18. 10. 16 „Prinz von Homburg“, (22 Schüler, der OII und 1), 25. 3. 17
„Könige“ von Hans Müller, 9. 5. 17 „Minna von Barnhelm“ (alle in Saar—
brücken). Damit verläßt mich die Chronik bis zum Beginn des Jahres 1920.
Die Theater- und Kunstabende der Theatervereinigung
des Realgymnasiums.
J. Aeltere Gruppe.
Kriegserfahrungen und staatlich-gesellschaftliche Umwälzungen haben
in den Ereignissen der Kriegsjahre nur ihren äußeren Anlaß und empfangen
don ihnen das beschleunigte Tempo. Die Ursachen liegen weiter zurück und
hängen mit dem Gang der ganzen Kultur- und GEeistesgeschichte zusammen
Das „Jahrhundert des Kindes“ war schon längst angebrochen; die verfeinerte
Wissenschaft vom Seelenleben hatte sich schon selbständig gemacht. Auch der
Kunsterziehungsgedanke hatte sich shon Bahn gebrochen und die Jugendbewe—
gung (Wandervogel und verwandte Formen) hatte schon kräftig eingesetzt.
Der Freideutsche Jugendtag auf dem Hohen Meißner im Oktober 1913 hatte