Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

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insbesondere für die Pflege, welche die Vortrags- und Bühnenkunst auf
unserer Neunkirchener Anstalt erfahren hat.

Gedanken über den Wert der Vortrags- und Bühnenkunst
an der höheren Schule.
In manchen Kreisen ist man noch verschiedener Ansicht über Notwen—
digkeit und Wert dieser Sonderaufgabe im Schulleben. Zweifacher Art ist
aber ihr Wert: der Jugend allgemein kommt sie zugute und in besonderer
Weise den höchsten Bildungszielen, die von der Schule erstrebt werden.
Den allgemeinen Wert für die Jugend kann man mit Franz
Hil!kers Worten begründen: „Weil das Leben Arbeit ist, müssen wir alles
was an Frohsinn, Sehnsucht und Feierlichkeit im Menschenherzen lebt, zu
ecken suchen, damit aus solchem Reichtum der Seele Freude und Lust am
Schaffen, frohe Kraft entspringt“ („Jugendfeiern“ von Franz Hilker, Berlin
1921, S. 52). Freude statt des heute vielfach herrschenden oberflächlichen
Leichtsinns und Vergnügungstaumels, Sehnsucht statt der heute vielfach
herrschenden Begehrlichkeit und Unbescheidenheit, Feierlichkeit statt der heute
vielfach herrschenden Roheit und Unehrerbietigkeit. Diese drei Seelenwerte
sollen geweckt werden. Sie sind der unperdorbenen Jugend als Keime ein—
gesät; ihre Triebe sollen sich entfalten können. Arbeitsfreudigkeit wird dann
die Frucht für das Leben sein. Natürlich gilt auch hier, wie überall in der
Erziehungsarbeit, das Wort, mit dem Hilker jenen Ausspruch fortführt:
„Klein ist unser Vollbringen, groß aber sei der Wille zur Tat!“
Der besondere Wert aber, den die Pflege der Vortrags- und
Bühnenkunst auf der sog. „höheren Schule hat, wird umschrieben durch unser
Leitwort: „In ausdrucksvollem Gestalten leisten wir erst das Höchste“ Wenn
herder mit seiner allgemeinen Behauptung recht hat, so haben wir nur das
richtig erfaßt, was wir mit Worten wiederzugeben vermögen. Deshalb
bleiben wir ja in unserer Lehrtätigkeit nicht dabei stehen, daß wir als
Lehrer den Stoff darbieten. Im höchsten Maße geistiges Eigentum wird
aber ein Stoff für den Schüler erst dann, wenn er ihn selbständig zu durch—
dringen und zu gestalten vermag. Gerade für die freie geistige Eigentätig—
keit des Schülers, wie sie jetzt in der preußischen Schulreform nach Graudigs
Ideal angestrebt wird, ist das ausdrucksvolle Gestalten der beste Beweis von
Selbständigkeit. In dem Rundschreiben vom 1. August 1922, das zur Bei—
hilfe für unsere neue Stilbühne einlud, hieß es ganz kurz: „Vertieftes Ver—
stehen, gefühlvolles Erleben und schöpferisches Gestalten sind die wertvollsten
Ziele aller Bildungs- und Erziehungsarbeit. Ihnen dient vornehmlich
der Versuch, schon die Jugend zur nachschaffenden Darstellung auf der Bühne
anzureizen,“ —
Ein vertieftes Verstehen wird aber gegenüber den Erfolgen
des bloßen Lektüreunterrichts im Deutschen oder verwandten Fächern durch
die besondere Pflege der Vortrags- und Bühnenkunst in mancher Finsicht er—
reicht. Die Wiedergabe einer Sonate wird schon dadurch empfindlich ge—
sttört, daß man sich etwa in einem Einzelton vergreift; ebenso störend würde
es beim kunstmäßigen Vortrag einer Dichtung wirken, wenn auch nur eine
Finzelstelle mißverstanden wäre. Gerade bei künstlerischen Vorträgen ist der
kunstfreundliche Laie ein unerbittlicher Richter, besonders auch in Einzel—
heiten. Wenn nun gar wesentliche Teile oder der Grundgedanke eines Wer⸗
            
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