Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

hauptstadt innehat. Während des Krieges stand Kraus in der Türkei in
deutschen diplomatischen Diensten.
Zur Vervollständigung meiner kleinen „Chronik“ der ersten Sekunda
des Progymnasiums Reunkirchen seien noch die Namen unserer damaligen
Dozenten genannt: Direktor Wernicke, die Oberlehrer Dettloff, Kretzschmar,
Wüllner und Dr. Kortz. Außer dem Direktor ist (1922) nur noch Professor
Wüllner an der Anstalt tätig und verabreicht in alter geistiger Frische nach
wie vor seine unumstößlichen Lehrsätze von der Quadratur des Kreises usw
Oberlehrer Dettloff ist vor langen Jahren in den „wohlverdienten“ Ruhe—
stand getreten. Professor Kretzschmar, unser großer vaterlandsbegeisterter
Historiker, hat während des Kieges im Dienste der öffentlichen Liebestätig—
keit einen tragischen, allzu jähen Tod gefunden, der nicht nur unter seinen
Schülern, sondern auch in der ganzen Heimatgemeinde und darüber hin—
aus innigste Teilnahme erweckte. Dr. Kortz ist m. W. Direktor eines Gym—
nafiums in der internationalen Rheinlandmetropople. Er war — leider
wie so mancher seiner Nachfolger der Anstalt Neunkirchen nicht allzulange
beschieden. Erhalten blieb ihr von den „zur Verjüngung des Lehrkörpers“
seinerzeit hereingeholten „Kräften“ nur der Direktor, der trotz mancher Fähr—
nisse, die es im Laufe der späteren Jahre zu überwinden galt, den Ruf der
Anstalt und vor allem auch seinen persönlichen guten Ruf als strenger, aber
—
25 Jahre sind seit dem für die Geschichte des Neunkirchener Realgym—
nasiums als höhere Lehranstalt gewiß beachtenswerten Ereignisse dahinge—
flossen. Eine geraume Spanne Zeit, in der die Anstalt schon so manchen der
Söhne ihrer ehem. Schüler aufgenommen und in den Wissenschaften unter—
richtet hat. Mannigfaltig und wechselgestaltig war währenddessen das
Schickssal nicht nur der Anstalt und ihrer Schüler, auch unserer Heimat, un—
seres Vaterlandes. Ein Weltenbrand von nie gekanntem Ausmaß hat zer—
stört, was in langen Jahren Arbeit, Fleiß, Kunst und Wissenschaft schufen.
Es ward nach oben gekehrt was unten war und so manches beseitigt, was
man einst schätzte. So auch das „Einjährige“, dessen unsere männliche Ju—
gend in seiner alten Form nun nicht mehr bedarf. Aber das damit ver—
bundene Maß von Wissen und Können kann darum doch nicht ohne wei—
teres entbehrt werden. Wissen war noch immer und ist auch heute noch
eine „Macht“. — Ihrer bedürfen wir neben regster, opferfreudiger Ar—
beitt heute mehr denn je, wo es gilt, an dem Wiederaufbau der zerstörten
inneren Werte mitzutun, damit der deutsche Name wenigstens in dieser Hiu—
sicht seinen alten schönen Klang in der Welt behält.
Möge unsere Heimatanstalt weiter in diesem Sinne eine Jugend her—
anbilden, die ihrem deutschen Namen ganz besonders aber auch unserer
schwergeprüften Heimat an der Saar allzeit drinnen und draußen zur Zierde
gereicht. — Dies ist mein stiller Herzenswunsch aus der Ferne.

Hneunkirchen in meiner Erinnerung.
Von Walther Schwabe. Lübeck
Nichts war da, mich zu empfangen, als ein grauschwarzer Schwaden,
ein klebriges Gemisch von Nebelregen und Kohlenrauch, das, zum Sterben
lraurig wie ich, vom Bahnhof aus vor mir herzog, das Tal der Blies ent—
lang. Die Handtasche mit der Habe eines Kandidaten — so hießen wir
            
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