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Vordermann gelang. Unser Mathematikus hatte dauernd ein wachsames
Auge auf seinen „Liebling“. Die Zensur dieser Arbeit, die in der Haupt—
sache aus 4 fast leeren Seiten bestand, brauche ich wohl nicht zu verraten.
Dafür ging es aber umsobesser im Mündlichen, bei dem mir in einem
kritischen Augenblicke unerwartet Hilfe durch den meine schwache Seite ken—
nenden Direktor ward. Er sah, wie ich schweißtriefend an der Tafel eine
Gleichung mit x runden und eckigen Klammern verhunzte und machte mich
mitleidsvoll im Vorbeigehen unbemerkt auf einen Fehler zwischen der 7ten
und 8ten Klammer aufmerksam. Ich „entdeckte“ den Schnitzer darauf un—
derzüglich und es klappte in der Mathematik mit einem zufriedenstellenden
„Genügend“. —
Ueberhaupt „das Mündliche“, war das eine böse Sache! — weil
schlimmer als die 5 Tage der schriftlichen Prüfung.
Als 2 unserer Kameraden von dem mündlichen Examen, in das wir
damals alle bestimmungsgemäß hineinmußten, vor Beginn desselben zu—
rückgewiesen wurden, da wollte uns das Herz in die Schuhe fallen. Wir
ahnten jedenfalls nichts Gutes. — Gar streng und feierlich ging's auch her
Vom hohen Provinzialschulkollegium hatte man einen „Geheimen“ entsandt.
Vertreter des Kuratoriums und das gesamte Lehrerkollegium waren fest—
lich versammelt. Einzeln und nacheinander kamen wir Examenskandida—
ten ins Kreuzfeuer. Ein und einen halben Tag schwitzten wir dicke Schweiß—
tropfen, bis wir um die Mittagsstunde des zweiten Tages nach einer qual—
oollen Konferenzpause allesamt den Glückwunsch der hohen Prüfungskom—
mission zum erfolgreichen Bestehen dieses unseres ersten Staatsexamens, des
ersten Einjährigen-Fzamens am Neunkirchener Progymnasium entgegenneh—
nen durften.
Erleichtert atmeten wir nach Verkündung des Resultates auf und
„himmelhoch jauchzend“ eilten wir nach einem Danke für die freundlichen
Examinatoren nach Hause, Kunde zu bringen von dem freudigen Ereignis,
Meine (leider schon ein paar Jährchen darnach dahingegangene) Mutter,
die gerade beim Putzen beschäftigt war, erschräk nicht wenig ob der stürmi—
schen Begrüßung. Dann vernahm sie glücklächelnd die freudige Kunde, die ihr
„Aeltester“ brachte. Ein herzhafter Mutterkuß und — ein ganzer blanker
Taler, für die damalige Zeit viel Geld! — waren ihr Glückwunsch und
dann ging's zum Vater in die Schule, wo Glückwunsch und Dank in klin—
gender Münze sich wiederholten.
Am Nachmittag dieses Tages ging's im Hinterstübhchen des „Storchen“
hoch her. Das Ereignis mußte entsprechend begossen werden. — Den Ab—
schiedekommers feierten wir — nach zahlreichen vorangegangenen familiä—
ren Abschiedsbesuchen untereinander — am letzten Schultage nach unserer
offiziellen Entlassung in gebührender Weise. —
Selbstredend berichteten am Tage nach dem Examen sämtliche Neun—
kirchener Zeitungen ausführlich über dessen Einzelheiten und den Aus—
gang des „ersten Einjährigen-Erzamens“ in Neunkirchen. — Die Namen der
ersten „Abiturienten“, wie unser Direktor uns stolz nannte, wurden der
Nachwelt überliefert und seien auch hier noch einmal in Erinnerung ge—
rufen. Es waren: Christian Kraus, Hermann Ludwig, Richard Pohl und
Arthur Schneider aus Neunkirchen, Fritz Lieblang aus Schiffweiler, Ernst
Philippi und Ernst Zeh aus Ottweiler, Arthur Roth aus Lörrach i. B. (ein