Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

Unsern Blick auf manchen Zopf gerichtet,
Heimlich „Lalagen amabo“ sangen! —
Wo, sodales, seid ihr hin entschwunden
Die wir einst das gleiche Ziel doch hatten?
Mancher, der in Freundschaft uns verbunden,
Stieg schon längst hinab ins Reich der Schatten!
Die Erinn'rung nur blieb treu uns immer
An all das, was teuer uns einst war,
Und von fern grüßt uns im goldnem Schimmer
Unsre Jugendzeit dort an der Saar.

2. Das erste „Einjührigen-Eramen“ in Neunkirchen.
Von A. Schneider.
Die Gemeindeväter von 1896,97 taten sehr wohl daran, als sie ihre
Zustimmung dazu gaben, daß die damalige „Höhere Bürgerschule zu Neun—
kirchen“ in eine vorläufig sechsstufige, vollberechtigte höhere Lehranstalt um—
gewandelt werde, — ein nur zu begreifliches Verlangen, dem die hohe Re—
gierung auch bereitwilligst nachkam.
Die höhere Bürgerschule.
„de mortuis nil nisi bene!“ — Unser alter, ehrenwerter Rektor dieser
Schule, Dr. K. er war ein sehr gelehrter, auch allgemein geachteter Jugend—
bildner, aber zu einem richtiggehenden Jugenderzieher reichte seine rektor—
liche Autorität zuletzt nicht mehr aus. Auch andere unserer Herren Lehrer
don damals standen mehr durch ihre Kuriosität als pädagogisches Geschick
dei uns Schülern nicht nur in fragwürdigem Ansehen, es fiel auch manch
wenig schmeichelhaftes Urteil über diesen und jenen in der Bürgerschaft. Je—
denfalls haperte so manches an der Anstalt. Namentlich in punkto Betragen
Aufmerksamkeit und Fleiß sollen infolgedessen die Klassenbücher aus
den letzten Jahren wenig Erbauliches berichten. Wenigstens in unserer Ober—
klasse, deren Ordinarius der Herr Rektor war, ging es, wie ich leider ge—
stehen muß, mitunter stark disziplinwidrig zu. Der allzeit gütige und nach—
sichtige „Alte“ verzieh immer wieder unsere Streiche, als deren schönster
einer, der mir in Erinnerung geblieben ist, wenn wir im Schranke des Schul—⸗
oiens Aepfel oder Kastanien brieten und diese dann mitten im Unterricht
mit lautem Geknall auseinanderbarsten. — Unbändige Freude löste es auch
in unseren jederzeit zu tollen Späßen aufgelegten Pennälerherzen aus, als
wir einmal beim unbeaufsichtigten „VBrummen“ (Nachsitzen) in der Woh—
nung des Rektors die auf einem Tische in der Zimmerecke stehenden Fast—
nachtsküchelchen allesamt aufaßen, in der gewiß nicht tadelnswerten Mei—
nung, die Frau Rektor habe uns damit die Stunde des Nachexerzierens be—
sonders schmackhaft machen wollen.
Zwar soll es ähnliche Streiche jugendfroher Gymnasiasten zu allen
Zeiten und an allen Anstalten gegeben haben. Es berichten darüber die
verschiedenen im Druck zu habenden Pennäler-Annekdoten allerlei Heiteres!
Nicht zu vergessen! Eine Fahne hatten wir an unserer Schule natür—
lich auch. Sie ward während meiner Pennälerzeit von den Schülern der
Anstalt gestiftet und begleitete uns stets bei unseren Ausflügen, die damals
noch hübsch gemeinsam und per pedes nach einem benachbarten schönen Aus⸗
            
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