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studium und höhere Beamtenlaufbahn) ist davon auszugehen, daß das Gym—
nasium, das Realgymnasium und die Oberrealschule in der Erziehung zur
Heistesbildung als gleichwertig anzusehen sind und nur insofern eine Er—
zänzung erforderlich bleibt, als es für manche Studien und Berufszweige
noch besonderer Vorkenntnisse bedarf.
Die Geschichte der Neunkircher Höheren Knabenschule zeigt deutlich
den Kampf zwischen humanistischer und realistischer Richtung. Der Versuch
rine Realschulabteilung neben der gymnasialen durchzuführen, scheiterte
in den Mer Jahren, aber dann wurde die Schule doch zum Realgymnasium
ausgebaut. Nur wenige Schüler gingen im Laufe der Jahre bei der Ver—
setzung nach Untertertia ab, um in St. Wendel das Eymnasium zu besuchen,
weil sie Theologie studieren wollten. Dagegen haben vier Schüler am Real—
gymnasium die Reifeprüfung bestanden und sich dann doch noch diesem
Studium zugewandt — leider sind zwei von ihnen gefallen. Endlich hat
man beiden Richtungen gerecht zu werden versucht und beim Uebergang zum
Reformgymnasium auch eine Realschule gegründet.
Nun brachte der Weltkrieg einen neuen Ton in Volk und Schule, er
weckte Selbstbesinnung und Nationalgefühl. Die deutschen Belange sollten
den gesamten Unterricht bestimmen, die Deutschkunde den Mittelpunkt bil—
den. Damit war für jede Schulart die Richtung angegeben. Das Werden
der Muttersprache und des deutschen Schrifttums, die deutsche Kultur- und
Staatsgeschichte, die Ausbreitung des deutschen Handels über die ganze
Erde, das wurde im besonderen die Aufgabe des Deutschen, des Geschichts—
und des Erdkunde-Unterrichts. Aber auch in andern Fächern muß der
leitende Gesichtspunkt immer ihre Beziehung zum deutschen Gedanken sein;
in dem fremdsprachlichen Unterricht sowohl wie in Mathematik und Natur⸗
kunde, auch in den technischen Fächern, in der Erziehung des künstlerischen
Geschmacks, bei den turnerischen Uebungen. —
Am 22. Mai dieses Jahres erklärte Minister Severing auf dem sozial—
demokratischen Parteitag des Saargebietes laut „Neunkircher Echo“ Nr.
117, „daß man ein guter Deutscher sein muß, um guter Weltbürger zu wer—⸗
den, denn gerade auf dem Gebiete der Internationalität gilt es, die schät—
zenswerten Faktoren aus dem Nationalen ins Uebernationale zu überneh—
men.“ Dieselbe Wahrheit erkennt jeder, der einige Jahre im Ausland tätig
war. Fest gewurzelt in eigenem Volkstum, weiß der einzelne Volksgenosse
zu dem Angehörigen anderer Nationen Stellung zu nehmen.
In den preußischen Plänen von Ostern 1924 werden vier „Typen“ von
Höheren Schulen gezeichnet: 1. das „altfprachliche“ Gymnasium, das dafür
sorgen soll, „daß unsere Kultur die in die Antike hinabreichenden Wurzeln
nicht sterben läßt,“ 2. das „neusprachliche“ Gymnasium, dessen Aufgabe das
Studium des „modernen Europäismus“ ist, 3. das „deutsche“ Gymnasium
oder die „deutsche Oberschule“, die die deutsche Kultur in den Mittelpunkt
stellt, und 4. das „mathematisch-naturwissenschaftliche“ Gymnasium oder die
Oberrealschule. Dieser Typisierung liegt der Gedanke zugrunde, daß bei
Beschränkung auf das Studium bestimmter Gebiete der Geist besser ausge—
bildet und zum Denken mehr befähigt werde als bei allzu viel Zersplitte—
rung. Dann aber sollen die Schüler sich selbst das Wissen erarbeiten und
dazu vom Lehrer nur angeregt und angeleitet werden, und deshalb scheint
engere Abgrenzung des Arbeitsfeldes wohl angebracht.