Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

durch Gedicht- und Musikvorträge mitwirkten. Am 5. Juli wurde in die—
ser Weise eine Klopstockfeier gehalten.
Endlich kam es auch an unserer Schule zur Wahl eines Lehreraus—
schusses oder -Beirates. Daneben wird die Verbindung mit den Kollegen
der anderen Höheren Lehranstalten aufrecht erhalten durch den Vorstand
der Ortsgruppe des Philologenverbandes, zu der auch die Akademiker vom
Lyzeum gehören. Im Sommer und im Winter finden in Saarbrücken Phi—
lologentage statt, deren Besuch den Mitgliedern durch Ausfall des Un—
terrichts ermöglicht wird.
Die Einführung der Reformation in den Nassau-saarbrückschen Lan—
den vor 500 Jahren wurde von den evangelischen Gemeinden an der Saar
am 15. Februar gefeiert. Tags zuvor hielten die evangelischen Lehrer und
Schüler des Realgymnasiums in der Aula eine Gedenkfeier. Im Reiche
war der erste Sonntag der Fastenzeit dem Gedächtnis der im Weltkrieg Ge—
fallenen geweiht. Die Schule gedachte ihrer Toten am 28. Februar in stim—
nungsvollen Liedern und Betrachtungen. Auch widmete sie eine Woche dar—
auf dem verstorbenen ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert eine Stunde
der Trauer.
Das 50. Jahr ging zu Ende — Reifeprüfung am 21. März —
Schlußfeier und Entlassung am 7. April. Der Direktor überschaute das hal⸗
be Jahrhundert der Höheren Schule Neunkirchens und stizzierte kurz den
Werdegang: Höhere Knabenschule bis Obertertia, Progymnasium mit wahl—⸗
freiem Englisch, Realgymnasium. Reformrealgymnasium und Realschule.

3. Ausblick und Wünsche.
Der Gründungstag der Schule, der 12. April, fiel in diesem Jahre
auf den ersten Ostertag. Das soll als günstiges Zeichen aufgefaßt werden:
Ostern, Auferstehen, Leben! Daß die Schule noch mehr blühe in den näch—
sten 50 Jahren, daß alle schlummernden Kräfte sich entfalten zum Wohle
der Stadt und der Jugend, das ist unser Wunsch. In welcher Richtung aber
die Höhere Schule für die männliche Jugend sich entwickeln soll, um ihr
höchstes Ziel zu erreichen, das ist in der Rede bei der letzten Kaisersge—
burtstagsfeier ausgeführt worden.
Damals führte der Stellvertreter des Direktors etwa folgendes aus:
Ein Rückblick auf die Entwicklung der deutschen höheren Schule für die
männliche Jugend lehrt, daß verschiedene Bildungsideale seit dem Aus—
zang des Mittelalters nacheinander auf das Schulwesen eingewirkt haben:
der Gelehrte, der Hofmann, der klassisch Gebildete, der allseitig Gebildete
— lateinische, französische, griechische Sprache traten jeweils in den Mittel—
punkt. Der deutsche Sprachunterricht wagte sich nur ganz langsam vor.
Mathematik und Naturwissenschaften wurden auch zurückgehalten; aber seit
der Mitte des 19. Jahrhunderts eroberten sie sich einen Platz an der Sonne.
Neben die alten humanistischen Gymnasien traten die Realgymna—
sien und später die Oberrealschulen, die ihre Zöglinge ohne Latein in neun
Jahren soweit förderten, daß sie für reif zum Universitätsstudium erklärt
werden konnten. Daneben entstanden seit 1890 die Reformgymnasien und
Reformrealgymnasium, die mit einer neuen Sprache (Französisch oder
Englisch) in Sexrta beginnen. So wurde ein gemeinsamer Unterbau für
alle höheren Knabenschulen gewonnen. Im Jahre 1900 erklärte die ober—
ste Schulbehörde in Preußen: Bezüglich der Berechtigungen (Universitäts—
            
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