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Als das Schuljahr 1919 beginnen sollte, herrschte bezüglich der Be—
setzung der Lehrerstellen noch Unsicherheit, und es mußte der Betrieb mit
Vertretungen in Gang gebracht werden. Aber es ging allmählich wieder.
Nachträglich machten manche Schüler noch Kriegsreifeprüfungen und Not—
schlußprüfungen (Reife für Obersekunda). Auch wurde jetzt wie auch fer—
nerhin von einzelnen Referendaren die pädagogische Prüfung abgelegt. So
berlief das Schuljahr einigermaßen ruhig, die neugewählten Studienräte
bekamen nach der Reihe Einreiseerlaubnis und übernahmen ihre Tätigkeit.
Im Herbst gab es eine kleine Störung an dem bekannten Streik- und
Plünderungstage.
Wichtig sind die Versuche, die Schüler auch zur Mitarbeit und zur
Selbstverwaltung heranzuziehen. Es wurden zwei Schulgemeindesitzungen
in der Aula abgehalten. Wünsche, welche die Schüler vortrugen, konnten
3. T. erfüllt werden, so wurde auch im Laufe des Winters ein Lehrkursus
in der Stenographie (System Stolze-Schrey) eröffnet und die Schüler Turn—
und Spielvereinigung gegründet, über die in einem besonderen Teile der
Festschrift berichtet wird. In den Unterrichtspausen wurde vom 20. Juni
an die Aufsicht von den Primanern geführt.
Die Volkshochschulbewegung faßte auch hier in Neunkirchen Wurzel.
In der Aula fand am 1. Dezember eine große Versammlung statt, in der
ein Ausschuß gewählt wurde und Studienrat Sulzbacher zum Vorsitzenden.
Am 1. Februar wurde die erste Reihe der Vorlesungen, an denen zumeist die
Studienräte beteiligt waren, durch einen Festakt in der Aula eröffnet.
In diesem Winter wurden noch zwei Elternabende abgehalten. Am
2. Dezember sprach Studienrat Trösken über das Thema: „Warum besuchen
unsere Söhne heute noch die Höhere Schule?“ Er stellte die Wahl eines
Elternbeirates als wünschenswert hin. Doch ist bis jetzt diese Einrichtung
noch nicht eingeführt. Beim 3. Elternabend sprach Studienrat Dr. Schött—
ke über Reformschulen, Studienrat Sulzbacher über Gabelung in den obe—
ren Klassen. In der Elternschaft zeigte sich Sympathie für Reform, d. h. für
Beginn des fremdsprachlichen Unterrichts mit der französischen Sprache, doch
sollte hierüber noch weiter beraten werden.
Dem Sinken der Mark entsprechend wurden im Laufe des Winters die
Schulgeldsätze erhöht am 1. Oktober von 130 auf 180 für Einheimische und
von 150 auf 240 für Auswärtige. Dann auf 200 und 220 Mark (Oberklas—
sen) und 250 und 270 Mark, und alsbald 100 Prozent Aufschlag dazu.
Aus dem gleichen Grunde beschloß das Kuratorium als Notbeihilfe
eine Erhöhung des Gehalts um 30 Prozent und 40 Prozent, die Erhöhung
der Teuerungszulage um 150 Prozent war schon früher beschlossen. So glitt
man immer weiter mit der Mark bis zur Einführung der Frankengehälter
am 1. Oktober 1920, um dieselbe Fahrt abwärts oder aufwärts — wie man
es nimmt — mit dem Franken zu beginnen.
Endlich fand am 4. März 1920 zum ersten Mal nach 6 Jahren eine
regelrechte Reifeprüfug statt, der sich s Oberprimaner unterzogen — alle be—
standen. Ihre Entlassung am Schulschlußtage, dem 30. März, ward ange—
schlossen an die Gedenkfeier zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen Lehrer
und Schüler. Durch Spenden aus dem Kreise der Mitschüler war die Her—
stellung einer Ehrentafel ermöglicht worden; sie wurde nach den Entwürfen
des Zeichenlehrers und Kunstmalers Erich Winter von einem ehemaligen