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wurden gezeigt, und Studienrat Sulzbacher sprach über „Deutsche und fremde
Art“. Unter diesem Zeichen wurde auch die Schule aufgefordert zur 9.
Kriegsanleihe zu zeichnen — gewiß mit Erfolg, denn außer 34 erkrankten
Schülern zeichneten alle, also 374 Schüler, im ganzen 36 700 Mark.
Aber: Krieg und Grippe! Die Turnhalle wurde als Aufbewah—
rungsraum für das 174. Infanterie-Regiment beschlagnahmt, der Schulhof
als Exerzierplatz benutzt. Und die tückische Krankheit befiel immer mehr
Schüler; deshalb wurde der Unterricht am 21. Oktober bis zum 4. November
ausgesetzt. Drei Schüler fielen als Opfer der Krankheit: am 30. Oktober
gaben wir dem staättlichen Untersekundaner Hermann Jähnke das Ehren—
geleit, am folgenden Tage seinem schlanken Klassengenossen Helmut Bik—
kelmann, und der Quintaner Fritz Bartsch wurde in Wellesweiler von
dieser Seuche hingerafft. In denselben Tagen erlag auch der Obertertianer
Ludwig Henn einem Gehirnleiden — 4 junge Leben erloschen unter uns
— in der Heimat — als Draußen der Kampf endete, nachdem er noch die
Brüder Rodermund niedergeworfen und unsern Fliegerleutnant Richard
Kirst.
b) Das Realgymnastium in der folgezeit.
Ja, der Kampf endete, aber anders als wir erwartet hatten — das
nußte die Schule bald erfahren.
An jenem verhängnisvollen Samstag (9. 11.) versammelte der stell—
vertretende Leiter die Schüler nochmals in der Aula, wies auf den Ernst
der Stunde hin und ermahnte die Jugend Ruhe zu bewäahren und sich von
der Straße fernzuhalten.
Einquartierung wurde erwartet, deshalb fiel der Unterricht vom 15.
bis 23. November aus. Aber nur in einer Nacht lagen 800 Oesterreicher,
d. h. Tschechen usp. im Gebäude auf dem Rückmarsch. Und am Sonntag, dem
1. Dezember, zogen nachmittags um 4 Uhr die französischen Truppen in
Reunkirchen ein.
Im Vorzimmer (Nr. 6.) wurde eine französische Schreibstube eingerich—
tet, die Aula, Zimmer Nr. 16 und Zimmer Nr. 4 wurden mit Truppen be—
legt. Vor dem Gebäude stand eine französische Feldküche. In der Turn—
halle lag eine Abteilung des amerikanischen Roten Kreuzes, die Wagen
standen auf dem Hofe. Anfang Januar räumte man das Schulgebäude wie—
der, nur die Autos blieben noch einige Zeit stehen.
Unterdessen hatte Oberstudiendirektor Wernicke, dem durch Patent
pom 7. 9. 1918 Würde und Titel eines Geheimen Studienrats verliehen
war, die Leitung wieder übernommen. Er hatte fast 3 Jahre eine Land—
sturmkompagnie geführt und die russischen Gefangenen, die in weitem Um—
kreis um Neunkirchen in der Landwirtschaft und in der Industrie unterge—
bracht waren, bewacht. Jetzt konnte er seine bewährte Führerkraft wie—
der der Jugend zuwenden. Nun galt es die Schule wieder in die alten Bah—
nen zurückzuleiten. Allmählich kehrten die Lehrer alle aus dem Kriegsdienst
zurück. Von Anfang bis Ende hatten nur die Studienräte Dr. Schmidt bei
den Kanonen und Dr. Schöttke mit dem Gewehr ausgehalten. Andere
mußten Erholungsurlaub nehmen, ältere Herren wollten sich jetzt zurückzie—
hen. Studienrat Dr. Winter ging als Direktor ans hiesige Lyzeum, Dr.
Hussong, nachdem er seine Assessorprüfung am 20. Februar bestanden hatte.
nach Cöln-Mülheim.