rend die Bewohner in die Keller hinabstiegen. Wirklich bedeutende Zer—
störungen sind den Feinden nicht gelungen, allerdings sind auch einige Men—
schenleben vernichtet worden. Immerhin hat der Ort auf diese Weise nur
geringen Schaden erlitten — größer war dagegen der allgemeine Schaden,
der durch das Stocken der Arbeit und durch die Lebensmittelteuerung (Rü—
benjahr!) hervorgerufen wurde.
Noch sei erwähnt, daß in das schöne Schulhaus an der Bachstraße im
November 1815 eine Landsturmkompagnie gelegt wurde, daß im Gesellen—
hause gefangene englische Offiziere untergebracht und daß ringsumher viele
russischen Gefangenen in der Industrie und in der Landwirtschaft beschäftigt
wurden.
Auf den Gruben war zu Beginn des Krieges die Arbeit eingeschränkt
worden, doch mußte der Betrieb mit viel Schwierigkeiten aufrecht erhal⸗
ten werden. Vom Eisenwerk wurden etwa 3450 Arbeiter und 40 Beamte
zum Heeresdienst eingezogen, dafür traten später 350 Russen ein. Kriegs—
material wurde angefordert und geliefert, so fügte man sich in die Zeit.
Selbstverständlich fiel 1915 die geplante 200-Jahrfeier der Firma aus.
Die Einwohnerzahl Neunkirchens, die bei der Volkszählung 1905
32 357 und 1910 34 683 betragen hatte ging 1915 auf 31624 zurück und stieg
bis 1920 nur bis auf 31720. Wenn hier gleich die Zahlen der folgenden
Jahre hinzugefügt werden sollen, so hatte die Gemeinde Neunkirchen bei
der Stadtwerdung 1922 32 185 Einwohner, wuchs aber durch die Eingemein—
dung von Niederneunkirchen (Saarbrückerstraße und Schlawerie), Welles—
weiler und Kohlhof auf 39101 Einwohner. Jetzt 1. 7. 1925 zählt die Stadt
10 536 Bürger, und somit könnte sie nach alter Ordnung aus dem Kreise Ott—
weiler ausscheiden und einen eigenen Stadt-Kreis bilden.
Doch vorerst zum Kriegsabbruch und dem Einmarsch der französischen
Truppen zurück. — November und 1. Dezember 1918! Die Beschlagnahme
und die Einquartierungen und dann auch die Rückkehr der eigenen Angehöri—
gen aus dem Felde. — Folge: Wohnungsnot, und die Gemeinde muß Ar—⸗
beit schaffen und bauen. Dabei die politischen Umwälzungen im Reich und
auch innerhalb der Gemeinde — so wurden die Lebensverhältnisse schwieri—
ger, als sie während des Krieges gewesen waren. Aber Neunkirchen hat
sich durchgefunden.
In erster Linie wurden die staatlichen Kohlengruben an der Saar
vom Schicksal getroffen: sie gingen in den Besitz des französischen Staates
über. Die höheren Beamten wurden fortgeschickt und durch eine größere An—
zahl von französischen Beamten ersetzt. — — —
Das Neunkircher Eisenwerk wurde nach dem Kriege in eine Alktien—
gesellschaft umgewandelt. 40 Prozent der Aktien blieben im Besitze der Fa—
milie Stumm, und 60 Prozent gingen an eine französische Gruppe über, in
deren Händen sich der Erzbesitz in Lothringen und die Eisenhütte in Uet—
kingen befand. Die bisherigen Produkte werden weiter geführt; durch Neu—
und Umbauten wird versucht, die Gestehungskosten den Verkaufspreisen an—
zupassen. Bis jetzt sind ungefähr 80 Prozent der Friedens-Rohsiahlleistung
wieder erreicht. Die alten Arbeiter kehrten zurück, aber eine wesentlich grö—
ßere Neueinstellung jugendlicher Kräfte konnte bis jetzt nicht erfolgen.
Die Gemeindeverwaltung mußte vielmehr ihr Augenmerk darauf rich—
ten, Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Sie ließ 1919 ein weiteres Stück der
Blies regulieren, und zur Zeit baut sie unterhalb der Bliesmühle ein ge⸗