Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

III.

Weltkriegs- und Nachkriegszeit—
J. Neunkirchen 19]14 -]925 — — Btadt.
Ein furchtbar wütend Schrecknis ist der Krieg;
Die Herde schlägt es und den Hirten.“ (Tell 1,2)
— Krieg — Weltkrieg! — Wir wissen alle, welche Begeisterung die—
ser Ruf in uns hervorrief — es galt, das Vaterland zu verteidigen, das
von allen Seiten bedroht war. Mit diesem Gedanken traten wir in den
Kampf, das Schlimmste zu tragen bereit. Und es gelang uns, die Heimat
vom Feinde frei zu erhalten, sodaß nicht die Häuser zerstört und die Habe
dernichtet wurde. Aber der Ausgang des Krieges öffnete doch nach 414 Jah—
ren dem Gegner die Tore des Saarlandes, als wir durch Ueberanstrengung
erschöpft die Waffen sinken ließen. Da wurde Neunkirchen in das Saarge—
biet einbezogen, und 1935 soll die Bevölkerung entscheiden, ob sie unter der
Herrschaft des Vöolkerbundes bleiben oder zu Frankreich übergehen oder mit
)em Vaterlande wieder eng verbunden werden will.
Hier sollen nicht die großen Ereignisse dieser 10 Jahre aufgezähit
werden, nur Neunkirchens Schicksal steht zur Betrachtung. Der Bahnhofs—
neubau war schon begonnen, als die ungeheuren Truppentransporte zur
Westgrenze einseßzten. Zug folgte auf Zug, und die hoffnungsfrohe Jugend
Audeutschlands fuhr vorüber, begrüßt und beschenkt von vielen Helfern des
Roten Kreuzes. Der Bahnhof, z. T. schon Barackenbauten, war zum Mit—
telpunkt Neunkirchens geworden. Aber auch die Neunkircher Kriegsdienst—
pflichtigen zogen hinaus, und manche Lücke klaffte in den Arbeitsstätten und
am häuslichen Herd.
Bald kamen Siegesnachrichten, bald kamen auch die ersten Verwun—
detentransporte. Das Reservelazarett Neunkirchen war zur Aufnahme be—
reit. Außer dem Knappschaftslazarett und dem Stummschen Viktoria—
hospital, dem katholischen St. Josephshaus und dem evangelischen Kranken—
hause waren ausgerüstet der Saalbau und das Evangelische Gemeindehaus
mit je 100 Betten und das Katholische Gesellenhaus mit 80 Betten. Da
galt es treulich zu sorgen und zu pflegen. Neben den Verwundeten waren
aber auch noch die Angehörigen der im Felde stehenden Krieger mit dem
nötige Unterhalt zu versehen. Die Organe der Gemeinde übernahmen diese
Arbeit pflichtschuldig, viele Männer und Frauen stellten sich freiwillig in
den Dienst des Roten Kreuzes.
Unter allerhand Sorgen schlichen die Jahre dahin. Manchmal
freudige Erhebung — oftmals Trauer um die Gefallenen — das lebt noch
in aller Erinnerung. Der Ehrenfriedhof bleibt ein Denkmal an die Zeit der
Opfer. Unmittelbar wurde Neunkirchen vom Krieg berührt, als des öftern
Flieger erschienen und Bomben abwarfen von der Nacht zum Sonntag, dem
12. November 1916, an. Fliegerabwehrbatterien wurden errichtet an der
Hermannstraße und am Kuchenberg; die schossen über Neunkirchen hin, wäh⸗
            
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