Full text : Zur Feier des 50-jährigen Bestehens des Realgymnasiums zu Neunkirchen-Saar

Schule für die katholischen Kinder, und es mußte daher auch dort gebaut
werden. Meistens aber konnte die Erstenung neuer Schulhäuser mit der
notwendig gewordenen Neugründung von Klassen nicht gleichen Schritt hal—
ten, und es wurde daher zu allerlei Hilfsmitteln gegriffen. Zeitweise wur—
den obdachlose Klassen in Wirtssälen untergebracht, später wurden Baracken
henutzt, oft auch wurden zwei Klassen wechselweise in einem Saale unter—
richtet. Mit der Erbauung des schönsten und großten unserer Schulhäuser,
dem Bachschulhause, wurde die Not zwar behoben, da dort 18 Säle zur Ver—
fügung stehen; als aber der Krieg ausbrach, mußte es für militärische
Zwecke geräumt werden, und die Klassen mußten in äußerst kümmerlicher
Weise in Notsälen und in anderen Schulhäusern Unterkunft suchen. Dieser
Umstand, dazu die Einziehung vieler Lehrer zum Heeresdieuste, die Heran—
zichung der größeren Kinder zum häuslichen und öffentlichen Arbeitsdienst,
die jammervolle Ernährung und nicht zuletzt die Abwesenheit der Väter und
die Sorgen der Mütten, waren die Ursachen, daß die Schulen in dieser Zeit
ihren Aufgaben nicht gerecht werden konnten. Auch nach dem Kriege wurde
es in den ersten Jahren nicht viel besser, da ein Teil dieser Ursachen noch
lange bestehen blieb und andere dazukamen, die in den Wirren der Zeit und
in der Unsicherheit mißverstandener Reformideen ihren Grund hatten. Nach
dem Kriege nahm die Zahl der Schüler infolge des Geburtenrückganges
schnell ab, da von 1922 ab die Neuaufnahmen kaum die Hälfte der früheren
beträgt; Klassen von weniger als 30 Schülern sind jetzt keine Seltenheit
mehr. — Die schnelle Zunahme der Schülerzahl in den ßSoer und NMer Jahren
und die alljährliche Neugründung von Klassen machten die Anstellung zahl—
ceicher Lehrkräfte und organisatorischer Einrichtungen notwendig. Schon im
Jahre 1878 war die Zahl der katholischen Schüler von 540 im Jahre 1875
auf über 900 angewachsen; als Kuriosum sei noch erwähnt, daß Ostern 1878
die katholischen und evangelischen Schulen zusammen genau 1878 Kinder
hatten. 1892 waren es bereits 1800 katholische Kinder, und bis zum Jahre
1914 stieg die Zahl über 3000. Von den im Laufe der verflossenen Jahre in
Neunkirchen beschäftigten katholischen Lehrkräften haben besonders lange
hier gewirkt die Herren Thinnes, Zender, P. Braun, die Gebrüder Nik.,
Matth. und Paul Lentes, Adams, Gilla J., Hoffmann, Trier, Reisenthel,
Kirsten, Schneider, Rodermund, Geiter, Schum, Heck, sowie die Damen Frli.
Blasius, Magd. Andre, L. Sartorius, O. Becker und Frieda Zender; viele
von ihnen sind schon heimgegangen, andere im wohlverdienten Ruhestand,
nur wenige noch im Dienst. Zur Zeit sind hier 65 katholische Lehrkräfte in
Tätigkeit. — Im Jahre 1876 wurde Herr Zender zum Hauptlehrer über
die katholischen Schulen ernannt. Einige Jahre später wurden die Schulen
auf der linken Bliesseite im System an der Wellesweilerstraße vereinigt und
Herrn Kirsten unterstellt; 1888 wurden auch die Klassen im Langenstrichstraße
vom Hauptsystem abgetrennt und bildeten unter Leitung des Herrn P.
Braun ein neues System, das sich schließlich zu einem Doppelsystem mit 14
Klassen auswuchs. Die ständige Zunahme der Klassen machte es nötig, daß
im Laufe der Jahre noch drei weitere Systeme gegründet werden mußten,
Jägerstraße unter dem Rektor Rodermund, der dort 25 Jahre amtierte,
Bachstraße unter Reisenthel und Scheib unter Rektor Schäfer, der in den
Jahren nach dem Kriege zur Hochschule ging, das Staatsexamen ablegte
und den Doktortitel erwarb und dann die Volksschule verließ. Von den
älteren Rektoren sind noch Reisenthel und Widdem, letzterer der Nachfolger
            
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