Full text : Die Einrichtungen zur Unschädlichmachung des Kohlenstaubes und zur gefahrlosen Ausübung oder Ersetzung der Schiessarbeit auf den fiscalischen Steinkohlenbergwerken im Saarreviere

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In Ermangelung einer brauchbaren Zündschnur, deren Seele flammenlos verbrennt, sind namentlich
in König die verschiedensten Versuche mit anderen Sicherheitszündern, wie den bekannten Norres-Zündern
 oder Roth’schen Systems, sowie mit der Hohendahl’schen Zündzange und Kost’schen Zündpistole
 gemacht worden. Bei allen diesen Sicherheitszündern ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen,
daß Funken der sprühenden Zündschnur irgend einen Ausweg ins Freie finden. Die Apparate von
Hohendahl und Kost verlangen außerdem zu ihrer Handhabung nur ganz ruhige und besonnene Leute,
da die Zange oder Pistole noch eine Zeit lang auf der brennenden Zündschnur sitzen bleiben muß,
bis das Sprühen derselben aufgehört hat. Man ist daher seit langer Zeit bestrebt, eine Zündschnur
herzustellen, deren Zündsatz bei einer so niedrigen Temperatur umsetzt, daß Schlagwetter nicht mehr
entzündet werden. Die auf Anregung von Lohmann in dieser Richtung kürzlich erfolgten Versuche
der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff-Actiengesellschaft in Coswig
scheinen nunmehr über das Versuchsstadium hinausgerückt zu sein und baldigen Erfolg zu versprechen.

3. Schießmeister.
Der 8 3 der Bergpolizeiverordnung von 1892 schreibt die Anstellung von Schießmeistern für
alle Arbeiten, in welchen Kohlen fallen, mit Ausnahme der Aus- und Vorrichtungsarbeiten vor.
Während die Grube König lediglich die Forderungen dieser Verordnung erfüllt, sind die
übrigen Gruben darüher hinausgegangen, indem, mit Ausnahme von Gesteinsörtern, grundsätzlich an
allen Punkten mit Schießmeistern geschossen wird. Nur in einzelnen Aus- und Vorrichtungsarbeiten
wird noch das Schießen, auf Maybach, wenn die Arbeitspunkte sehr entlegen sind, und auf Camphausen
und Kreuzgräben, wenn die Arbeiten auf drei Drittel belegt sind, den Drittelführern anvertraut.
Die Schießmeister werden aus den zuverlässigsten Hauern gewählt und sind nicht am Gedinge
betheiligt. Auf Maybach und König werden die Schießmeister nebenbei noch mit Zimmerhauerarbeiten beschäftigt.
 Auf ersterer Grube ist das Abthun der Löcher durch den Schießmeister dadurch gesichert, daß
diesem allein die erforderlichen Zündkapseln (jedesmal ein Wochenbedarf) ausgehändigt werden. Im Uebrigen
empfangen die Schießmeister allein den Sprengstoff in bestimmter Menge, besetzen die Löcher und thun
sie ab. In Dudweiler z. B. erhalten sie nur 1,5 kg Dynamit für die Schicht und haben zur Aufbewahrung
 besondere kleine Magazine in ihrer Abtheilung. Die Glühzünder oder die Zündstäbe für das
Wasserschießen befinden sich im Besitz der Bergleute,
Zur Beurtheilung der Leistung eines Schießmeisters seien folgende Zahlen angegeben.
Auf Grube Dudweiler schießt von 26 Schießmeistern durchschnittlich jeder 15 mal in der
Schicht und hat dabei einen Weg von etwa 3100 m zurückzulegen. Die Zeit des Besetzens und Wegthuns
 und die Wartezeit sind zu 20 bis 25 Minuten auf den Schuß zu rechnen,
In Camphausen sind für 6 Steigerabtheilungen mit 1190 Mann, in Kreuzgräben für 5 Steigerabtheilungen
 mit 890 Mann Belegschaft im Ganzen je 3 Schießmeister angestellt.
Auf der ersteren Grube war z. B. die größte Leistung eines Schießmeisters das Besetzen und
Wegthun von 16 Löchern in den 16 Streben zweier benachbarter Bremsschächte. Die 5 auf Maybach
angestellten Leute bedienen 54 Betriebspunkte in der Nachmittags- und Nacht-Schicht. In König sind
für 2 Bremsschachtfelder mit je 8 Arbeitspunkten, in denen Flötz und Nebengestein geschossen werden
müssen, in 2 Schichten je 2 Schießmeister thätig. .
Die Einrichtung der Schießmeister hat sich im Allgemeinen bei ausreichender Beaufsichtigung
gut bewährt. Sie erfordert zwar neben den erheblichen directen Ausgaben auch indirecte Kosten durch
das öfters eintretende unvermeidliche Warten der Bergleute auf das Erscheinen des Schießmeisters,
wodurch die Arbeitsleistung beeinträchtigt wird. Auch ist zuzugeben, daß bei einer ausgedehnteren
Verwendung von Schießmeistern die Auswahl und Ausbildung zuverlässiger Leute überhaupt schwierig
wird, und daß durch die Entziehung der Schießarbeit bei den übrigen Hauern allmälig die Uebung
hierin schwindet und das Verantwortlichkeitsgefühl geschwächt wird. Andererseits aber wird dadurch,
jaß die Schießmeister kein persönliches Interesse daran haben, unvorschriftsmäßige Schüsse abzuthun,
Sonderdruck aus der Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinen-Wesen. XLV.
            
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