4. Anstellung von Schießmeistern, -
5. der technischen Aenderung der Kohlengewinnung, um die Schießarbeit möglichst entbehrlich
zu machen.
Unter dem ersten Eindruck der Camphausener Explosion wurde zunächst die Schießarbeit an
besonders gefährlichen Punkten — auf Camphausen selbst vorübergehend für alle Betriebspunkte in
Jer Kohle — verboten. Sodann wurde das Schießen in bestimmten Feldestheilen an gewisse Vorjedingungen
geknüpft. In Camphausen z. B. wurde die Schießarbeit überall dort eingestellt, wo Schlagvetter
in der Sicherheitslampe erkennbar wurden. Oder aber es wurde die Schießarbeit in einzelnen
Arbeiten, insbesondere an neu belegten Punkten von der besonderen Genehmigung des Directors
ıbhängig gemacht. Ferner erging die Bestimmung, daß in der Frühschicht nur unter der Aufsicht
aäines Steigers geschossen werden durfte, und daß das Schießen in den Flötzstrecken zum Nachreißen
des Hangenden und Liegenden ausschließlich zwischen Schluß und Wiederanfang der Förderschicht
yestattet war.
Gleichzeitig schaffte man das Schwarzpulver ab und führte besondere Sprengstoffe zwecks
Herabminderung der Explosionsgefahr ein. Schon im Jahre 1886 war ersteres auf den Gruben Camp-‘1ausen,
Kreuzgräben, Maybach und König in den gefährlichen Kohlenstaub führenden Feldestheilen
aicht mehr in Gebrauch. Auch in Dudweiler ist es entsprechend der Zunahme des Kohlenstaubes bis
1892 gänzlich beseitigt worden. An die Stelle des Schwarzpulvers wurde das Dynamit — anfangs
Guhr- und später Gelatine-Dynamit — gesetzt, in der damals noch herrschenden Annahme, daß alle
orisanten Sprengstoffe unter den gegebenen Verhältnissen sicher seien. Nachdem aber die späteren
Versuche in der Neunkirchener Strecke auch die Gefährlichkeit der gewöhnlichen Dvnamite nachgewiesen
hatten, wurde das Schießverbot auch auf diese ausgedehnt.
Man schlug nunmehr zwei Wege ein:
‘ Die brisanteren Sprengstoffe wurden nur in Verbindung mit Sicherheitspatronen (Wasser-:äcken
u. s. w.) oder als sogenanntes Wetterdynamit mit krystallwasserhaltigen Salzen
gewandt;
2, man ging zu den weniger brisanten, meist nitroglycerinfreien „Sicherheitssprengstoffen“ über.
Während die Gruben Dudweiler, Camphausen (seit 1887) sich dem Schießen mit Gelatinedynamit
n Wasserpatronen zuwandten, kamen in König und Maybach vorzugsweise die Sicherheitssprengstoffe
n Aufnahme,
Gleichzeitig traf man Maßregeln, die Zündung der Sprengschüsse ungefährlich zu machen. Statt
der Zündschnur wurde vielfach die auch früher schon beim Dynamitschießen verwandte elektrische
Zündung (auf Camphausen schon 1886 ausschließlich) eingeführt. Daneben kamen insbesondere in Vaerindung
mit Sicherheitssprengstoffen, auch „Sicherheitszünder“ zur Verwendung, .
Zur Verminderung der großen Gefahr, die bei der Schießarbeit, insbesondere in der Ueberadung
oder dem Ausblasen schlecht besetzter Löcher liegt, wurde außerdem das Besetzen und Abthun
ler Schüsse bestimmten zuverlässigen Personen übertragen. Während zunächst das Schießen in gefährdeten
Feldestheilen unter Aufsicht des Steigers geschah oder besondere Kameradschaftsführer und Hauer im
Nebenamte mit der Schießarbeit betraut wurden, stellte man später besondere Schießmeister an.
Mit der fortschreitenden Beschränkung und Erschwerung der Schießarbeit fanden sodann auf
allen Gruben Bemühungen statt, durch technische Aenderungen der Kohlengewinnung das Schießen
;ntbehrlich zu machen,
Seit 1887 etwa begannen die Gruben, namentlich Camphausen, Dudweiler und König, an die
Stelle des bis dahin üblichen Pfeilerbaues, vornehmlich im Interesse der gesicherten Wetterführung und
such des Schutzes der Erdoberfläche, den Stoß- und Strebbau, zumeist mit vollkommenem Bergeversatz,
zu setzen. Diese Abbaumethoden ließen durch die Erhöhung des Druckes auf den Kohlenstoß eine
Einschränkung des Schießens im Abbau zu. Der Strebbau, welcher neuerdings auch den Stoßbau
mehr und mehr verdrängt, brachte außerdem den Vortheil, daß durch den Fortfall der Vorrichtung