Full text : Die Einrichtungen zur Unschädlichmachung des Kohlenstaubes und zur gefahrlosen Ausübung oder Ersetzung der Schiessarbeit auf den fiscalischen Steinkohlenbergwerken im Saarreviere

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Nasse Zonen, Um Explosionen, die trotz aller getroffenen Einrichtungen durch Umstände
irgend welcher Art hervorgerufen werden sollten, nach Möglichkeit auf den Entstehungsort zu beschränken,
ging man, wie oben schon angedeutet, sehr bald dazu über, diejenigen die Baufelder und Bauabtheilungen
verbindenden Strecken, welche bei Ablagerung von trockenem Kohlenstaub besonders zur Fortpflanzung
von Explosionen geeignet erschienen, in gewissen Abschnitten feucht zu halten.
Diese „nassen Zonen“, welche vorzugsweise unter- und oberhalb der Bremsschachtfelder geschaffen
werden, erhalten Längen von 50 bis 80 m. Ihr Zweck ist:
1. Die Explosionsflamme durch Entziehung der Nahrung zum Erlöschen zu bringen und damit
die weitere Ausdehnung der Explosion zu verhüten,
2. mindestens aber eine Abschwächung der Explosion bei gleichzeitiger Abkühlung der
Explosionsgase herbeizuführen,
In dieser Richtung schreiben auch bergpolizeiliche Bestimmungen (Anlage 6 $ 2, Absatz 2)
das Spritzen in sonstigen Verbindungsstrecken zwischen den einzelnen Bauabtheilungen insoweit vor,
daß die letzteren durch feuchte Streckenabschnitte von mindestens 60 m Länge von einander getrennt sind.
Daß derartige feuchte Zonen thatsächlich schützen, haben mehrfache Explosionen in England,
sowie auch die Explosionen im Saarrevier erwiesen. Die Verhandlung über die Kohlenstaubexplosion
auf Kreuzgräben 1888 besagt, daß sich die Explosion auf 3 von den vorhandenen 4 Wettersystemen
vertheilt habe, und daß die 21 Mann in dem nicht berührten Stromgebiete nur dadurch gerettet worden
seien, daß die Grundstrecke in der Nähe eines Sprunges-auf eine längere Strecke feucht war. Außerdem
saßen zu jener Zeit in dem oberen Theile des dortigen Feldes reichliche Wassermengen, die nach und
nach das ganze Feld anfeuchteten und den Kohlenstaub unschädlich mächten *).
Diese Fälle sprechen ebenso, wie die bei den Explosionen gemachte Wahrnehmung, daß an
Punkten, wo die Explosionsflamme wieder auf reichlicheren Kohlenstaub gestoßen war, eine erhebliche
Zunahme der angerichteten Verheerungen sich zeigte, sehr zu Gunsten der nassen Zonen. Die zweckmäßigste
 Länge muß allerdings Gegenstand der Erfahrung bleiben. Strecken von 60 bis 90 m haben
sich schon als genügend sicher bewiesen. Bei einer einmal vorhandenen Spritzleitung und den nicht
erheblich wachsenden Betriebskosten sollte man mit der Bemessung der Streckenabschnitte nicht geizen
und alle wichtigen Strecken auf große Ausdehnung in den Bereich der regelmäßigen Netzung ziehen.
So wird auch auf den Gruben, wie Dudweiler, Camphausen und Kreuzgräben, über die Vorschrift
der Bergpolizeiverordnung weit hinaus gegangen. Auf den 2 letzteren Gruben wird die Netzung
überhaupt sämmtlicher Strecken angestrebt, welche die Rohrleitung berührt. Nur in Maybach und
besonders in König, wo es gilt, die mit gefährlichem Kohlenstaub behafteten Flötze und deren Baufelder
gegen das übrige Grubengebäude abzuschließen, wird mit nassen Zonen im Sinne der Verordnung in
erheblichem Maße gearbeitet. /Vergl. für König Taf. IIL Fig. 2.)

IL Umfang und Kosten der Einrichtungen,

il. Anlagekosten.
Der Umfang und die Kosten der zur Netzung des Kohlenstaubes auf den verschiedenen Gruben
getroffenen Einrichtungen sind je nach der Größe der Felder, der Anzahl der staubenden Flötze und
dem Zwecke der Leitung außerordentlich verschieden.
Die Ausdehnung des Netzes prägt sich in den nachfolgenden Zahlen aus.

*) Ueber den Verlauf der Explosion auf der Albion Colliery bei Ponty-pridd ist im Glückauf, Jahrg. 1894,
S. 1326 gesagt; „So hatte die Explosion den Panddaschacht auf etwa 142 m verfolgt, bis ein nasser Streckenabschnitt
die Explosion hier zum Stillstande brachte. Bei meiner Befahrung war dieser Abschnitt 100 m (110 yards) lang. Die
hinter dem nassen Abschnitt liegenden trockenen und staubigen Strecken wurden nicht erreicht, die hier befindlichen
Menschen und Pferde waren unversehrt; hier hatte die Explosion sich nur durch starken Luftzug bemerkbar gemacht.“
Sonderdruck aus der Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinen-Wesen. XLV.
            
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