noch keine Wasserhaltungsmaschinen vorhanden und auch die sonstigen Vorkehrungen zur Wasser-2ebung
wenig leistungsfühig waren, so bestand die Nothwendigkeit, den gehofften Erfolg unter Aufwendung
einer sehr geringen Menge Wassers zu erreichen.
Die ersten Maßnahmen bestanden darin, daß man von der Wetterstrecke des bis dahin fast
allein in Bau befindlichen Flötzes 3 Wasser aus einer Rohrleitung die Bremsberge, Fahrschächte u. s. w.
hinablaufen ließ, um den dort liegenden Kohlenstaub zu nässen und dadurch gewisse Feuchtigkeits-Zonen
zu bilden. Das Wasser verschwand aber sehr bald in dem stark quellenden Liegenden und
ließ die Sohle dieser Strecken trocken, kam dagegen in der Grundstrecke der Tiefbausohle wieder
zum Vorschein und sammelte sich daselbst in einzelnen Tümpeln, auf denen sich der von dem Wetterstrom
mitgeführte oder aus den Förderwagen fallende Staub in einer dicken, rußähnlichen, trockenen
Schicht ablagerte. Dieses Verfahren wurde deshalb als gänzlich ungeeignet bald aufgegeben.
Man ging darauf zur unmittelbaren Benetzung des Kohlenstaubes an den einzelnen Arbeitspunkten,
die an eine von einem Wasserbehälter auf der Wettersohle ausgehende Wasserleitung angeschlossen
wurden, über, und zwar zunächst mittelst Schlauches und Gießkannenbrausen, sodann aber
mit Rücksicht auf die geringe verfügbare Wassermenge, die bei weiterer Benutzung dieser Brausen
nur für wenige Arbeitspunkte ausgereicht haben würde, mittelst Schlauches und Zerstäubers. Mit
letzterem wurden nach Vorschrift alle Stunden und außerdem dort, wo geschossen wurde, vor jedem
Schusse der ganze Arbeitsstoß und die Strecke 10 m rückwärts abgespritzt, während in der übrigen
Zeit die vor Ort liegenden Kohlen schwach benetzt wurden.
Um auch die Bremsberge und die Wetterstrecken feucht zu halten, baute man in etwa 50 m
Entfernung von einander Zerstäuber ein, die starr mit der Wasserleitung verbunden und ununterbrochen
in Thätigkeit gehalten wurden. Einzelne Theilungsstrecken, welche keinen Anschluß an die Wasserleitung
besaßen, benetzte man mittelst Wasserwagen, die nach Art der gewöhnlichen Straßen - Sprengwagen
eingerichtet waren.
Die angewandten Zerstäuber waren solche von der Firma Lutzner & Gumtow zu Berlin
‘sogen. Victoria-Brausen), deren zerstäubende Wirkung darauf beruht, daß sie feine Wasserstrahlen
aus 3 gegen einander geneigten Canälen austreten und kurz nach dem Austritt aufeinander stoßen
:assen, solche von Gebr. Körting in Hannover, die das Wasser durch 3 spiralförmige Canäle, die
sich schließlich in einem Canal von 1 mm Weite vereinigen, in Form eines stumpfen Kegels herausschleudern
und solche nach Art der Gasbrenner, in denen man rund um die schon vorhandene Oeffnung
3 geneigte Canäle von 1 mm Weite anbrachte. Außerdem gebrauchte man in den Strecken noch
Brausen der Gebr. Staudt zu Frankfurt a. M. Bei diesen Zerstäubern wird ein feiner Wasserstrahl
zegen ein kleines, mit dem Brausekopf bügelförmig verbundenes Messingplättchen getrieben und an
lemselben in Nebel zertheilt. der sich vund um die Achse des Zerstäubers nach allen Seiten hin
zertheilt *).
Die angegebenen Zerstäuber hatten sämmtlich den Nachtheil, daß sie sich leicht verstopften
und deshalb eine sorgfältige Reinigung der Spritzwasser vor ihrer Benutzung erforderten. Sie waren
aber auch für eine ausgedehnte Anwendung zu theuer. Die Victoriabrausen kosteten das Stück 15 M.,
lie Staudt’schen Brausen je 6,60 M. Die festen Zerstäuber in den Bremsbergen und sonstigen Strecken
arfüllten überdies ihren Zweck nur unvollkommen. waren auch den Fahrenden lästig und wurden daher
häufig von ihnen abgestellt.
In Folge dessen ersetzte man, sobald nach dem Einbau einer Wasserhaltungsmaschine im
Jahre 1890 genügende Spritzwasser zur Verfügung standen, die Zerstäuber an den Arbeitspunkten
durch einfache Strahlrohre. Auch entfernte man die festen Zerstäuber in den Strecken. schaltete statt
*) Vergl. Versuche und Verbesserungen beim Bergwerksbetriebe in Preußen während des Jahres 1888, vergl.
Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinen-Wesen im Preußischen Staate Bd. XXXVII, S. 138. — Riedel, Die künstliche
Benetzung auf der Königl. Steinkohlengrube Camphausen bei Saarbrücken, vergl. Zeitschrift für Berg-, Hüttenınd
Salinen-Wesen im Preußischen Staate Bl. XXXVIT. S. 8398.