Nächst der Firma Siemens u. Halske Berlin haben sich besonders die Union—
Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin, sowie die Elektrizitäts-Aktien-Gesellschaft
vorm. Schuckert u. Co. in Nürnberg um die Einführung elektrischer Grubenlolomotiven
mit Erfolg verdient gemacht.
Die Union-Elektrizitäts-Gesellschaft baut elektrische Grubenlokomotiven nach
dem seiner Vorzüge wegen sehr beliebt gewordenen System „Thomson-Houston“. Die
auf Blatt 39 dargestellte Normal-Grubenlokomotive wird bei 450 mm Minimalspurweite
in Leistungen von 4 bis 14 PS., bei Minimalspurweiten von 600 mm in Leistungen von
3 bis 26 PS. u. s. w. ausgeführt. Das Untergestell gestattet das nachträgliche Auswechseln
don Motoreu gegen solche mit anderen Geschwindigkeitsverhältnissen und anderen Leistungen,
o daß beispielsweise eine Lokomotive, die anfänglich für 4 P8. Leistung vorgesehen war,
entsprechend der steigenden Entwickelung des Betriebes ohne Umstände auf 26 Ps. Leistung
gebracht werden kann.
Die Motoren sind staub- und wasserdicht eingekapselt und umfassen mit zwei am
Stahlgußgehäuse angegossenen Hinterlagern die Laufachsen der Lokomotive, auf welche die
Energie des Motors durch ein einfaches Zahnradvorgelege übertragen wird. Außerdem
zaut diese Firma namentlich für Erzgruben elektrische Lokomotiven mit großer Zugkraft,
im auf schmaler Spur mit zusammengestellten Zügen fördern zu können. Zu diesem Zwecke
wurde das auf Blatt 40 dargestellte Normalmodell einer 100-pferdigen Lokomotive für
100 mmn Minimalspur geschaffen, mit welcher Stollen von kleinem Querschnitt befahren
werden können. Die Breite der Lokomotive beträgt 1700, die Höhe von Schienenoberkante
»is Kontaktdraht 1900 und der Radstand 1600 wm. Motor und Zahnräder sind schwin—
jend in Stahlgußrahmen mit doppelter Federung auf den Laufachsen so aufgehängt, daß
nach Lösung der die Achse umfassenden Lager das Gesammttriebwerk geschlossen aus dem
Rahmen gezogen werden kann, um Revisionen vorzunehmen. Das zu einer Treibachse
gehörige, aus Motor und Triebwerk bestehende Maschinenelement wird als Nomalie her—
gestellt und ist für alle Spurweiten von 700 mm aufwärts zu benutzen.
Elektrische Lokomotiven nach dem System der Union sind außer auf der bereits
zben erwähnten Eisensteingrube in Deutsch⸗Oth auf den Gruben des Aachener Hütten—
»dereins in Lothringen in Betrieb. Es arbeiten hier zur Zeit zwei 100⸗pferdige
—X Wagen à 2500 kKg Bruttogewicht
nit 2,5 mm Geschwindigkeit pro Sekunde heraufbefördern, während auf der horizontalen
Strecke Züge von 40 Wagen zusammengestellt werden. Die Lokomotiven haben sich hier
»erartig bewährt, daß zwei gleich große und zwei von je 26 PS. nachbestellt wurden.
Auf der Burbacher Hütte besorgen 100—-pferdige Lokomotiven den gesammten Ranair
ienst für die Hochöfen und die Kokerei.
Schuckert'sche Grubenlokomotiven. Im Rosenhofer Revier bei Klausthal
st eine 750 m lange eingeleisige elektrische Grubenbahn zur Förderung von Erzen vom
Rosenhofer zum Silbersegener Schacht in Betrieb. Hier wird eine Wasserkraft durch eine
Turbine zum Antrieb einer Verbunddynamo ausgenutzt, die Gleichstrom von 330 Volt
Spannung liefert. Die im vollständig nassen Schacht eingebaute Fernleitung besteht aus
eisendrahtarmirtem Okonitkabel; die Kontaktleitung in der Strecke aus Fenstereisenschienen
ist mittels Hartgummi-Isolatoren an der Firste befestigt. Von der Koutaktleitung aus
vird der Strom durch ein unten mit kräftiger Feder, oben mit Kontaktrolle versehenes
Stahlrohr dem als Hauptstrommaschine gebauten Elektromotor zugeführt. Die Bewegungs⸗
äbertragung vom Elektromotor auf die Laufräderachsen erfolgt durch Zahnräder. Die
Lokomotive fördert auf horizontaler Strecke 10 Wagen von je 1250 kg Bruttogewicht mit