Full text : Erläuterungen zu "Der Bergbau in Skizzen"

maschinen-Schnellläufer (250 Umdrehungen pro Minute) mittelst Riemen angetriebenen
Gleichstrommaschine (n — 800) geliefert, die Spannung des Stromes beträgt 150 bis 180
Volt. Vom Maschinenschaltbrett wird der Strom durch den Schacht mittelst eisendraht⸗
armirtem Patentbleikabel bis zur Bahnstrecke geführt. An der Firste des Querschlages sind
inn der Mitte desselben zweiEisen S isolirt entlang geführt, von denen das eine den
Strom zur Lokomotive hin-, das andere denselben zurückleitet. Die Lokomotive entnimmt
dem einen J-Eisen den elektrischen Strom mittelst eines Kontaktschlittens, der den Fuß der
Schiene seitlich mit Halen umfaßt und sich durch Blaitfedern derartig gegen die Schienen—
unterseite anlegt, daß Haken und Federn an der Schiene entlang schleifen, wodurch eine
munterbrochene Berührung beider Teile und funkenlose Stromentnahme erzielt wird. Ein
Neicher Kontakt schleist an der Rückleitungsschiene. An beiden Schlitten sind mittelst dreh—
darer Bolzen mit Gummi umbüllte Stromleitungskabel angehängt, die mit dem Elektromotor
n leitender Verbindung stehen. Die Kontaktichlitten werden von der Lokomotive mittelst
csonderer Hanfseile nachgezogen.
An beiden Enden der äußerlich ganz symmetrisch gebauten Lokomotive befindet sich
ein Sitz für den Führer, der von hier aus die vor ihm liegende Strecke gut übersehen und
ein Paar ebenfalls doppelt vorhandener Kurbeln bedienen kann. Die eine dieser Kurbeln
dient zur Bethätigung der Schalt- und Umsteuervorrichtung, die andere wirkt auf die Bremse.
Vom Elektromotor aus wird die Bewegung durch ein mit konischen Zahnrädern versehenes
Vorgelege auf beide Triebachsen der Lokomotive übertragen. Die Pufferlänge der Lokomotive
bdeträgt 2, B3 in, die Breite O, 80 m und die Höhe einschließlich aufgesteckter Hülse 1,830 m.
Die Lokomotive wiegt 1600 Kg, die Spurweite des Geleises beträgt 5366 wm. Die Lokomotive
fördert Züge von 15 Wagen, deren jeder leer 250 kg und mit 5 hl Kohlenladung 700 kg
wiegt, sodaß das von der Lokomotive bewegte Bruttogewicht 10500 kg beträgt. Die Fahr—
zeschwindigkeit beträgt 2,5 bis 3 m pro Sekunde. Ein Drehen der Lokomotive ist bei ihrer
Bauart niemals erforderlich; zum Übersetzen von einem Geleise zum anderen sind Weichen
ingebaut. Sowohl Leer- wie Vollzüge werden von der Lokomotive stets geschoben und nicht
gezogen, sodaß die Wagen nicht miteinander gekuppelt zu werden brauchen.
An einem Seitenstoße des Querschlages sind zwei blanke Leitungsdrähte Lauf
Isolatoren verlegt, die mit einer Signalvorrichtung im Maschinenhause in Verbindung
itehen. Durch Zusammendrücken der beiden Drähte vermag der Lokomotivführer dem
Maschinisten über Tage an jeder Stelle im Querschlag anzuzeigen, wann die Förderung
heginnen oder aufhören oder der Strom stärker werden soll.
Der Betrieb wird zur Zeit von zwei Lokomotiven geführt, die 700 bis 800 Wagen
in der 8⸗-stündigen Schicht fördern.
Die gesammten Anlagekosten betrugen 16238.4 Die Förderkosten pro tkm haben
sich zu 6 Pf. ohne und 9 Pf. mit Verzinsung und Amortisation des Anlagekapitals ergeben.
Im Jahre 1891 wurden die ursprünglichen Lokomotiven durch verbesserte derselben Firma
ersetzt. Die Zaukeroder Anlage hat sich bis heute durch Zuverlässigkeit, Sicherheit und
Finfachheit vorzüglich bewährt.
Derartige Grubenlokomotiven sind dann der Zeitfolge nach eingeführt zunächst 1883
zuf der konsolidirten Paulus-Hohenzollern-Grube bei Beuthen in Oberschlesien,
owie im Salzbergwerk Neu-Staßfurt, ferner in vielen Gruben des In- und Auslandes,
worunter die im Jahre 1894 nach dem System der Union-Elektrizitäts-Gesellschaft auf
der Eisensteingrube Deutsch-Oth bei Esch in Lothringen erbaute Bahn hervorgehoben
werden möge. Es sind hier zwei 65-pferdige Lokomotiven im Betrieb, die auf 1200 m
Länge Erze aus dem Stollen nach der Hochofenanlage fördern.
            
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