Full text : Erläuterungen zu "Der Bergbau in Skizzen"

Der Durchmesser der einzelnen Drähte beträgt 1,2 bis 1,8 mm, meist werden jedoch
Drähte von 1,6 mmu benutzt. Diese sind noch sehr biegsam und schleißen nicht so schnell
ab, als solche von geringerem Durchmesser. Drähte von mehr als 1,8 min Durchmesser
werden für Seilförderung nicht benutzt, weil erfahrungsmäßig die Unbrauchbarkeit der Draht—
eile in den seltensten Fällen eine Folge der vollständigen Abnutzung (Durchschleifen) der
Drähte, sondern beinahe ausnahmslos eine Folge der Biegungsbeanspruchung ist, da die
inzelnen Drähte brechen.
Hinsichtlich der Draht- und Litzenzahlen ist eine große Mannigfaltigkeit eingetreten.
Werden die Litzen ohne Hanfseele ausgeführt, so können 7, 12, 14, 16, 19 Drähte und
ei Anwendung von Hanfseelen 5, 6, 7, 8, 9, 10 Drähte zu einer Litze genommen werden.
Die Zahl der Litzen beträgt 6, 7, 8, 12, 14, 16, 19.
Bei neuen Seilen liegen die Drähte nicht fest aufeinander, so daß das neue Seil
»urch den Gebrauch um 10 bis 200/, dünner wird.
Wichtig bei den Zugseilen ist auch die Flecht-(Schlag-) Art derselben. Man unter—
scheidet Kreuzgeflecht und Albert'sches Geflecht, auch Kreuzschlag und Albertschlag genannt.
Die ersten von Oberbergrat Albert in Clausthal im Jahre 1834 in Benutzung ge—
nommenen Drahtseile waren in der Weise hergestellt, daß die Drähte in den Litzen sowohl
ils die Litzen im Seil nach ein und derselben Richtung geschlagen waren. Bei dem Kreuz—
geflecht sind die Drähte in den Litzen in entgegengesetzter Richtung gesponnen als die Litzen
mm Seile. Die der Reibung ausgesetzten Flächen (sog. Kronen) sind kurz und brechen leicht
aach einiger Abflachung, wenn das Seil die Biegungen über Seiltrommeln und Seilscheiben
zu bestehen hat, insbesondere aber dann, wenn Kurven zu passiren sind. Fig. 3, Bl. 14
‚eigt ein neues Kreuzgeflechtseil. Die bei diesem Geflecht so zahlreich auftretenden Draht—
»rüche sind auch der Grund, weswegen so viele, verhältnismäßig geringen Materialverschleiß
zeigende Drahtseile als unbrauchbar abgeleat werden müssen, ohne daß das Drahtmaterial
joll ausgenutzt ist.
Bei dem Albert'schen Geflecht entsteht, wie Fig. 4, Bl. 14 zeigt, eine langgestreckte,
zeträchtlich größere Arbeitsfläche, welche eine ökonomischere und weit vollständigere Aus—
autzung des Seilmaterials zuläßt. Die beim Kreuzgeflecht so zahlreichen Drahtbrüche werden
nuf ein Geringstes reduzirt, wenn nicht ganz aufgehoben, und treten erst nach größt denk—
»arer Materialabnutzung ein. Gegenüber dem stacheligen Aussehen eines verschlissenen Kreuz⸗
zeflechtes gleicht das vollständig ausgenutzte Albertseil mehr einer runden Eisenstange.
In welchem Maße der Mehraufbrauch des Drahtmaterials stattfindet, läßt sich auch
daran erkennen, daß ein Albertseil nach vollständiger Ausnutzung sich thatsächlich ganz be—
rächtlich dünner gearbeitet hat, wie dies Fig. 5, Bl. 14 zeigt.
Neuerdings sind patentirte „flachlitzige“ Drahtseile eingeführt worden. Dieselben werden
uus flachen Litzen gebildet, wie aus Fig. 6, Bl. 14 hervorgeht. Sie sind so geschlagen, daß
zine der flachen Seiten jeder Litze nach außen zu liegen kommt. Infolge dessen treten
nehrere Drähte jeder Litze in den äußersten Umfang und nehmen dann gemeinsam den Ver—⸗
cchleiß auf. Bei den gewöhnlichen Drahtseilen dagegen, welche aus kreisrunden Litzen be—
tehen, wird (Fig. 7, Bl. 14) der Verschleiß, solange die Seile noch neu sind, von einem
einzigen Draht einer jeden Litze aufgenommen. Ist dieser Draht dünn, so ist es bald durch—
geschlissen, ist er dick, so bricht es gern an der Stelle, wo er abgenutzt wird. Die flach—⸗
litzigen Drahtseile sind außerordentlich biegsam und dem bei gewöhnlichen Seilen häufig
porkommenden Zerdrücken wenig unterworfen. Wegen des verhältnismäßig geringen Ver—
chleißes ist ein so großer Sicherheitsüberschuß wie bei Drahtseilen gewöhnlicher Konstruktion
nicht nötig, und deshalb können Seile von geringerem Gewicht genommen werden. Sie
            
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